<a href="https://pixabay.com/users/PublicDomainPictures/">PublicDomainPictures</a> / Pixabay

Gibt es das perfekte Verbrechen?

Wie man mit einem Mord davon kommen könnte - Gibt es das perfekte Verbrechen?

Manchmal sitze ich vor meinem Monitor und fange an, mich zu sorgen. Ich frage mich, ob Menschen Angst vor mir bekommen würden, wenn sie wüssten, wonach ich im Internet suche und worüber ich mir in diesem Augenblick hinter der verschlossenen Tür meines Zimmers Gedanken mache. Ich plane ein Verbrechen. Einen Mord. Vielleicht auch ein paar mehr.

Der perfekte Mord

Natürlich möchte ich keinen Mord begehen. Aber wenn ich eine Geschichte schreibe, sorge ich regelmäßig dafür, dass welche begangen werden. Damit auch die Polizei in meinen Geschichten möglichst lange mit einem Fall zu kämpfen haben, ist es wichtig, ihnen den Täter so lange es geht zu verschweigen. Deshalb begebe ich mich auf die Suche nach dem perfekten Mord.

Leider kam ich bei meiner Recherche im Internet zu dem Ergebnis, dass es den perfekten Mord praktisch gar nicht mehr gibt – zumindest laut vieler Quellen. Die forensische Technik ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass es mittlerweile sogar gelingt, eine Überdosis an Insulin nachzuweisen.

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das Wirbeltiere zum Überleben brauchen und deshalb in der Bauchspeicheldrüse produzieren. Insulin ist das einzige Hormon, dem es gelingt, den Blutzuckerspiegel zu senken, während es eine Vielzahl von Hormonen gibt, die das Gegenteil bewirken. Insulin ist also besonders für Diabetiker wichtig und ist deshalb auch in Spritzen erhältlich.

Der englische Krankenpfleger Kenneth Barlow erwähnte 1955 in einem Vortrag über Insulin, dass man hiermit den perfekten Mord begehen könnte – einen Mord, den man nicht nachweisen könnte. Diese fehlerhafte Annahme wurde Barlow drei Jahre später zum Verhängnis, als er seine Frau mit einer Überdosis Insulin umbrachte. Zwar gelang es den Wissenschaftlern nicht, zweifelsfrei nachzuweisen, dass Barlow seiner Frau Insulin gespritzt hatte, sie konnten aber in zahlreichen Versuchen ein Mittel nachweisen, das wie das Insulin wirkte. Ursache für diese umfangreiche Ermittlung und Forschung war der Fund der kleinen Einspritzlöcher während der Obduktion.

Mit den gewöhnlichen toxikologischen Tests konnte man das Insulin zu dieser Zeit nicht nachweisen. Außerdem wird Insulin relativ schnell abgebaut. Um dem perfekten Verbrechen vorzubeugen, mischte man deshalb Insulin Beistoffe hinzu, die länger im Körper nachgewiesen werden können. 

Mittlerweile kann man außerdem den Gehalt von C-Peptiden im Körper bestimmen. C-Peptide sind das Abfallprodukt des Körpers bei der Insulinproduktion. Dieses lässt sich deutlich länger im Körper nachweisen und kann deshalb zur Überführung der Todesursache behilflich sein.

Wer falsche Spuren legt, hinterlässt Spuren

Kriminologen sind sich einig: Die besten Verbrechen begehen diejenigen, die sie spontan begehen. Pläne hinterlassen Spuren und lassen sich zurückverfolgen und können durchschaut werden.
Wer beispielsweise Insektenlarven in die Leiche legt, um die Verwesung zu beschleunigen und so über den wahren Todeszeitpunkt hinweg zu täuschen, könnte auffallen, weil er Insektenlarven kauft oder diese im Wald sucht. Außerdem könnten Insektenlarven DNA-Spuren des Täters aufnehmen. Somit können auch Insektenlarven zu wertvollen Beweismitteln am Leichnam werden.

Forensische Entomologie nennt sich die Wissenschaft, die Insekten an Tatorten untersucht. Giftige Substanzen oder Chemikalien, die die Larven womöglich zuvor aufgenommen haben, können zudem zurückverfolgt werden, sodass die Herkunft der Larven bestimmt werden kann.

Obwohl die Forschung inzwischen deutlich weiter entwickelt ist als noch zu Barlows Zeiten in den 50er Jahren, bleiben allein in Deutschland jährlich rund 1.200 Tötungsdelikte ungeklärt. Dies ist auf die mangelhafte Leichenschau der Rechtsmediziner zurückzuführen, sodass zu schnell die Diagnose „natürlicher Tod“. Werden beispielsweise die Einspritzlöcher übersehen, wird womöglich gar kein weiterer Test durchgeführt, sodass die C-Peptide unentdeckt bleiben. Dann kann es sein, dass ein Mord als vermeintlich natürlicher Tod deklariert wird, womit bewiesen wäre, dass es ihn doch gibt: den perfekten Mord, über den man im Internet so wenig finden kann.

Forschung und Technik

Was ist ein Leben wert?

Würdest Du für 1.000.000 Euro einen Menschen töten? Über 254 Menschen haben bei diesem Gedankenexperiment auf Twitter JA geantwortet und das Leben eines Menschen für 1.000.000 Euro beendet.

Forschung und Technik

Warum ist der Klimawandel eigentlich schlecht?

Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn es im Sommer fortan drei Grad wärmer wäre? Die fünf größten Probleme des Klimawandels und wie sich dieser auf unsere Welt auswirkt.

Forschung und Technik

Organspende: Meine Organe bekommt ihr nicht!

Aktuell warten rund 10.000 Menschen in Deutschland auf eine Organspende. Diese könnte ihnen das Leben retten, doch im letzten Jahr wurden nicht einmal 1.000 Spenderorgane gefunden.

Gesellschaft

Kann man spurlos verschwinden?

Nahezu immer und überall lassen sich unsere Aktivitäten überwachen. Kann man sich dieser Kontrolle entziehen und quasi spurlos verschwinden?

Forschung und Technik

Spicken bei Norwegen: E-Mobilität in Deutschland

Spicken bei Norwegen: Elektromobilität in Deutschland Norwegen ist der weltweite Vorreiter der E-Mobilität. Mehr als 50% der Autos sind elektrisch oder Hybride. Diese können an Ladestationen kostenfrei laden, in der

Weitere

Homosexualität kann geheilt werden!

„Homosexualität kann geheilt werden.“ Das zumindest versprechen Konversionstherapien. Doch diese sollen nun verboten werden. Homosexualität wurde lange als Schandtat angesehen. Bis ins Hochmittelalter galt Analverkehr im Christentum als Sünde. Es

1 thought on “Gibt es das perfekte Verbrechen?”

  1. Spannende Gedanken, die du da hast. Als studierte Forensikerin habe ich mich lange mit solchen Gedankengängen beschäftigt und mit ehemaligen Kollegen ausgetauscht. Auch wir waren uns einig, dass es das perfekte Verbrechen so nicht gibt. Trotzdem zeigen viele ungeklärte Taten leider, dass es mehr als nur eine Hürde gibt.

    Cheers,
    Auri der Theatergeist

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *