Homosexualität kann geheilt werden!

"Homosexualität kann geheilt werden." Das zumindest versprechen Konversionstherapien. Doch diese sollen nun verboten werden.

Homosexualität wurde lange als Schandtat angesehen. Bis ins Hochmittelalter galt Analverkehr im Christentum als Sünde. Es wurde zwar mit Kirchenbuße geahndet, zählte jedoch nicht als Straftat. Vom 13. Jahrhundert bis zur Aufklärung wurde Analverkehr zwischen Männer als Sodomie, also als sündiges Sexualverhalten, gewertet und durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht. Im Spätmittelalter und bis ins 18. Jahrhundert wurden Hunderte verfolgt und hingerichtet.

Nach der Französischen Revolution wurde aus der Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Verkehr eine Zuchthausstrafe. 1871 wurde diese Regelung ins als §175 Reichsstrafgesetzbuch übernommen. Infolgedessen wurden sexuelle Handlungen zwischen Männern per Gesetz unter Strafe gestellt. Der österreichische Psychiater Richard von Krafft-Ebing stellte Homosexuelle als erblich belastete Perverse dar, die nicht für die „Umkehrung“ ihres angeborenen Sexualtriebs verantwortlich seien. Damit definierte er Homosexualität 1886 erstmals als erbliche Nervenkrankheit.

Über die Verfolgung und Deportation von Homosexuellen zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Paragraph 175 erst 1969 revolutioniert, die Haftstrafen von zehn auf drei bis fünf Jahre gekürzt. 1974 wurde Homosexualität von der American Psychological Association (APA) aus der Liste der psychischen Störungen gestrichen. Erst 1992 wurde Homosexualität auch aus dem weltweit anerkannten ICD-10-Katalog gestrichen. Damit galt Homosexualität für die Wissenschaft fortan nicht mehr als psychische Störung. Paragraph 175 wurde 1994 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, 2002 wurden Verurteilte von der Bundesregierung rehabilitiert.

Konversionstherapie: Homosexualität ist heilbar!

Noch immer existiert in der Psychotherapie die Annahme, Homosexualität heilen zu können. Sogenannte Reparativtherapien oder Konversionstherapien verfolgen das Ziel die homosexuelle Neigung abzunehmen und heterosexuelles Potential zu entfalten. Inzwischen lehnen alle führenden psychiatrischen und psychologischen Fachgesellschaften, da sie im Widerspruch zur gegenwärtigen Auffassung von Homosexualität stehen und schädigende Wirkungen für die Therapierten haben können. In Deutschland ist es vorallem die Offensive Junger Christen, die derartige Therapien noch unterstützen. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es insbesondere religiöse Gruppen sind, die Homosexualität weiterhin als Krankheit und Sünde verstehen.

An verschiedenen Stellen der Bibel wird Homosexualität als Sünde oder Todsünde beschrieben. Dies ist für religiöse Gruppen weiterhin Grund genug, Homosexualität als unnatürlich anzusehen. Gleichermaßen wird dies jedoch von ungehorsamen Kindern (Röm 1, 30) oder ein nicht durchgebratenes Steak (vgl. 2 Mose 21, 22f) erzählt.

Gleichzeitig berichtet die Bibel auch über die Beziehung zwischen David und Jonathan: „Weh ist mir um dir, mein Bruder Jonathan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen.“ (2 Sam 1, 26).

In den Vereinigten Staaten riet APA den Therapeuten bereits 2009 dazu, auf Konversionstherapien zu verzichten, stattdessen solle man „die Unterstützung durch Familie und Schule vergrößern und die Ablehnung von Jugendlichen, die einer sexuellen Minderheit angehören, reduzieren“. 2012 wurden Reparativtherapien beispielsweise in Kalifornien per Gesetz verboten.

Bereits im Jahr 2013 legten die Fraktion Bündnis90/Grüne einen Gesetzesentwurf zum Verbot derartiger Therapien an Minderjährigen vor, da negative und schädliche Effekte der Therapien wissenschaftlich belegt waren. Der Entwurf stieß insbesondere auf die Kritik von religiösen Gruppen, da jeder die Möglichkeit bekommen sollte, frei zu wählen, ob er sich einer solchen Therapie unterziehen wolle. Das Vorhaben wurde im März 2018 erstmal vom Europäischen Parlament befürwortet. Im August 2018 sprach sich der Vatikan dafür aus, dass Homosexualität keine Krankheit sei und Therapien zur Heilung deshalb nicht befürwortet werden. Gesundheitsminister Spahn kündigte im Februar 2019 einen Gesetzentwurf für Deutschland an, der Konversionstherapien in Deutschland verbieten soll.

Wie man Homosexualität heilt

Vertraut man den Ansichten von Konversionstherapeuten, so sind vollwertige Männer eindeutig heterosexuell. Homosexualität sei ein Zeichen von Schwäche und sei auf eine schwierige Kindheit und eine gestörte Verbindung zum Vater zurückzuführen zu sein.

Im Rahmen einer Vergangenheitsbewältigung spricht man über Möglichkeiten, Vergangenes aufzuarbeiten. Es gäbe wohl auch Tipps, Zeit mit möglichst männlichen Männer zu verbringen und sehr männliche Dinge zu tu. Im nächsten Schritt solle man Frauen treffen und mit ihnen ins Bett gehen. Das zumindest berichtete ein Journalist im WDR, der sich undercover in Therapie begeben hatte.

Oftmals werden derartige Therapien religiös begleitet, da Homosexualität nicht von Gott gewollt sei, sondern lediglich eine psychologische Fehlentwicklung.

Gesundheitsminister Spahn rechnet in seinem Vorhaben mit der Unterstützung der Unionsparteien, auch wenn diese Homosexualität nicht zwangsläufig gutheißen, könne er sich nicht vorstellen, dass einer von ihnen Konversionstherapien verteidigen würden.

Fazit: Homosexualität ist natürlich nicht heilbar, Konversionstherapien gehören verboten!

Homosexualität gilt weltweit seit spätestens 1992 nicht mehr als psychische Erkrankung. Mit dem Angebot einer Therapie gegen Homosexualität wird aber genau das weiterhin impliziert. Homosexualität ist nicht heilbar und in Deutschland seit 1994 auch keine strafbare Handlung mehr. Die sexuelle Orientierung ist damit eintzig und allein Teil der eigenen Identität und bedarf keiner Heilung.

Konversionstherapien sind das Produkt von religiös fundierter Homophobie. Sie helfen Betroffenen nicht bei der Identitätsfindung, sondern versuchen sie auf fragwürdige Art und Weise zu verändern und gemäß einer heteronormativen Weltanschauung zu manipulieren. Derartige homophobe Therapien können negative Folgen für Betroffene haben, sie in eine Identitätskrise stürzen und im schlimmsten Fall zu Depressionen und zum Suizid führen.

Meiner Meinung nach gehören Konversionstherapien deshalb schnellstens verboten. Homosexualität bedarf  keiner Heilung.

Quellen: wdr.de, welt.de, tagesschau.de, stern.de, huk.org, taz.de

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