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Wie viele Leben kostet eine Flasche Wasser?

Wasser ist Leben: Wie viele Leben kostet eine Flasche Wasser?

Im Supermarkt erhält man einen Liter Wasser bereits ab etwa 0,13€ – verpackt in einer PET-Flasche. Damit ist das Wasser 65x teurer als das Trinkwasser aus dem Wasserhahn, welches laut Statistischem Bundesamt etwa 0,2 Cent pro Liter kostet.

Während das Wasser in Deutschland noch immer als öffentliches Gut gilt und nicht vollständig privatisiert werden darf, ist genau das in vielen anderen Teilen der Erde längst Alltag. In Südafrika etwa kaufte der Konzern Nestlé exklusive Wasserrechte für 20 Jahre, bohrte in den ohnehin schon wasserarmen Regionen Südafrikas hunderte Meter tiefe Löcher und grub nach Wasser. Während der Konzern das Wasser förderte, kam bei den Einwohnern nicht viel mehr als eine braune, stinkende Brühe aus den Wasserhähnen. Das Wasser, das sie zuvor aus ihren Leitungen nehmen konnten, müssen sie nun für das 1000-Fache des vorherigen Preises in PET-Flaschen kaufen.

1.386.000.000 km³ Wasser gibt es auf der Erde. Davon sind...

97%
Salzwasser
3%
Süßwasser

70 % davon sind in Eis, Wolken und Seen gebunden.

30% sind im Grundwasser verfügbar.

Wasser - (K)ein Menschenrecht?

Noch machen wir uns in Europa kaum Gedanken über unser Trinkwasser – wir füllen es aus der Leitung ab, kaufen es in Plastik- und Glasflaschen. In Ländern wie Nigeria und Südafrika ist Wasser jedoch eine knappe Ressource. Dennoch ist sie überlebensnotwendig und in diesen Ländern teurer als Benzin.

Viele Menschen leiden hier täglich unter dem Durst, obwohl sie nur wenige Meter von den Fabriken leben, in denen tagtäglich mehr als 200.000 Liter Wasser abgefüllt werden. Bis zu zwölf Stunden am Tag arbeiten die Menschen in einer Nestlé-Fabrik, inklusive 15 Minuten Pause. Zudem erhalten sie einen Liter Wasser, abgepackt in zwei 0,5-Liter-Flaschen am Tag. Jedoch vertritt der schweizerische Konzern Nestlé auch hier die Empfehlung, dass jeder Mensch zwei Liter Wasser am Tag trinken sollte.

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»Dieses Menschenrecht sind die Liter Wasser, die wir für unsere tägliche Flüssigkeitszufuhr benötigen, und die 25 Liter, die wir für eine minimale Hygiene brauchen. Diese Wassermenge ist die Hauptverantwortung jeder Regierung, jedem Bürger dieser Welt zur Verfügung zu stellen, aber diese Wassermenge macht 1,5% des gesamten Wassers aus, das für den gesamten menschlichen Gebrauch bestimmt ist.

Wo ich ein Problem habe, ist, dass die 98,5 % des Wassers, das wir verwenden, für alles andere kein Menschenrecht sind, und weil wir es als eines behandeln, nutzen wir es auf unverantwortliche Weise, obwohl es die wertvollste Ressource ist, die wir haben.

Ich glaube nicht, dass es ein Menschenrecht ist, ein Schwimmbad zu füllen. Ich glaube nicht, dass es ein Menschenrecht ist, Autos zu waschen. Ich glaube nicht, dass es ein Menschenrecht ist, einen Golfplatz zu bewässern.«

Peter Brabeck-Letmathe

-

ehemaliger Vorstandspräsident von Nestlé

Nestlé ist jedoch nur ein Spieler in der mehr als 800 Milliarden Dollar schweren Wasserindustrie: The Coca Cola Company, Pepsi Co Inc. und SABMiller plx sind ebenfalls auf der weltweiten Jagd nach Wasser und machen dabei keinen Halt vor denen, die ohnehin schon wenig haben. Infolgedessen sinkt in diesen Regionen der Grundwasserspiegel, die Menschen verlieren ihre natürlichen Wasservorkommen, die Bewässerung der Landwirtschaft wird schwierig und wer sich das teure Trinkwasser aus der Flasche nicht leisten kann, trinkt das Wasser aus den Flüssen, die Nestlé und Co mit den Fabrik-Abfällen verschmutzen.

Durchfallerkrankungen wie Cholera, aber auch andere Infektionskrankheiten sind die Folge, die in solchen Regionen häufig zum Tod führen. Weltweit tötet die Wasserindustrie damit rund 3,6 Millionen Menschen pro Jahr. Es sterben somit mehr Menschen an verunreinigtem Trinkwasser als an AIDS, Malaria, Verkehrsunfällen und allen Kriegen zusammen.

1 Liter Wasser kostet 13 Cent und 3,6 Millionen Leben.

1
Millionen
Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser
10000
Menschen
sterben an verunreinigtem Wasser

Seit dem 28. Juli 2010 ist das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser von der UN-Vollversammlung als Menschenrecht anerkannt. Nichtsdestotrotz sorgen Konzerne, die die Wasserrechte kaufen und so zur Privatisierung dieses Guts beitragen dafür, dass sich viele Menschen dieses Recht nicht leisten können. Wasser wird zum Luxusgut und das ist auch unsere Schuld.

Denn mit unserem verschwenderischen Lebensstil tragen wir dazu bei, dass das Wasservorkommen auf der Welt immer weiter ausgeschöpft wird. Schätzungen zufolge könnte das Wasser bereits im Jahr 2026 in zwei Dritteln der Welt knapp werden. Die Ausmaße der Privatisierung von Wasser zeigte sich beispielsweise in Bolivien, im Jahr 2000. Der damalige Präsident Hugo Banzer wurde vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zur Privatisierung der Wasserversorgung gezwungen. Daraufhin stiegen die Wasserpreise um bis zu 300 Prozent. Erst nachdem bei Straßenschlachten mit der Polizei mehrere Menschen im Streit gegen die Privatisierung ums Leben kamen, machte die Regierung die Privatisierung des Wassers rückgängig.

Bei der großen Dürre von 2007 wurde im US-Bundesstaat Georgia das Wasser knapp. Während beinahe alle Brunnen vollständig ausgetrocknet waren, pumpte Coca Cola weiter Wasser aus tieferen Brunnen ab und verkaufte der Bevölkerung das eigene Grundwasser für ein Vielfaches des Preises für Leitungswasser. Wasser ist das wohl wertvollste Produkt der Welt, denn es erzielt teilweise eine Gewinnmarge von 10.000 Prozent

"Unser größter Feind ist das Leitungswasser!"

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»Unser größter Feind ist das Leistungswasser. In Europa und Nordamerika sprudelt sauberes Trinkwasser aus den Wasserhähnen - und das fast kostenlos.«

Robert S. Morrison

-

ehemaliger Vize-Präsident von PepsiCo

Auch in Deutschland war die Privatisierung von Wasser einmal im Gespräch. Interessant ist diese nicht nur für die Wasserkonzerne, sondern auch für die Politik. Durch den Verkauf der Wasserrechte an die Konzerne wird viel Geld eingespielt. Die Kosten hierfür tragen letztendlich die Menschen, die das privatisierte Wasser für ein Vielfaches in Flaschen kaufen müssen, statt es aus dem Wasserhahn zu entnehmen.
Mineralwasser vom Discounter ist derzeit in Deutschland mit 0,13 Cent pro Liter noch die günstigste Alternative. Auch hier können wir Wasser von Nestlé (Vittel) und Coca Cola (Bonaqua und Vio) kaufen, ab etwa 0,40€ pro Liter. Somit verdienen eben jene Konzerne, die in Ländern Südafrikas noch den letzten Tropfen Wasser aus dem Boden saugen und überteuert an die Bevölkerung verkaufen, auch hier einen Haufen Geld. Übrigens: Vittel von Nestlé ist nicht aus Südafrika, sondern wird in Frankreich gewonnen. In der Region rund um das Dörfchen Vittel sinkt der Grundwasserspiegel jährlich um etwa 30 Zentimeter, weil Nestlé hier viel Wasser entnimmt. Auch hier leiden die Einwohner unter der Gier des Konzerns. An dem Brunnen, aus dem die Einwohner seit Lebzeiten ihr Trinkwasser entnehmen, hängt nun ein Schild: „Maximal 6 Flaschen.“ Auf Anfrage reagierte Nestlé auf dieses Schild:
„Niemand wird hier kontrolliert, wie viele Flaschen er abfüllt. Die Begrenzung auf sechs Flaschen wurde eingeführt, damit die Schlangen vor dem Brunnen nicht zu lang werden.“

In Deutschland gibt es rund 200 Mineralwasser. Sie alle sind gesundheitlich unbedenklich, jedoch nicht wirklich gesünder als unser Leitungswasser. Dieses ist mindestens genauso sauber und gesund und wird noch dazu akribischer kontrolliert als das Mineralwasser in Flaschen.

Trotzdem wird oft der Eindruck vermittelt, Mineralwasser sei viel gesünder und hätte besondere, vitalisierende Eigenschaften. Diese Marketing-Strategie zeigt beispielsweise in den USA ihren vollen Erfolg.

Pro Minute werden über 50.000 Wasserflaschen verkauft!

Damit gehen am Tag rund 80 Millionen Wasserflaschen über die Ladentheken der Vereinigten Staaten. Würde man die innerhalb von einer Woche verkauften Plastikflaschen aneinanderreihen, so würde diese Kette die Erde mehr als fünf Mal umrunden. Dabei ist nicht nur die Herkunft des Wassers problematisch, sondern auch die Verpackung. Für die Produktion der Plastikflaschen, die allein in den USA in einem Jahr verkauft werden, sind 2,7 Milliarden Liter Erdöl erforderlich. Zusätzlich sind einige Plastikflaschen bedenklich, weil sie giftige Stoffe wie Bisphenol A (BPA) an das Wasser abgeben, welches wie Menschen zu uns nehmen. Dieses kann zu Fortpflanzungsstörungen führen.

Das größere Problem ist jedoch der Einfluss auf die Umwelt, da in den USA kaum recycelt wird. Vier von fünf Flaschen landen deshalb auf dem Müll und werden vergraben, verbrannt oder gelangen über die Flüsse ins Meer. Du kannst auch hier in Deutschland mit vier einfachen Tipps dazu beitragen, das dein Wasservebrauch diesen Konzernen nicht in die Karten spielt:

Wasser kostet .

Quelle: blick.ch, nestlé.de, focus.de, wdw.de

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