Bildungswesen: Politik mal anders.

Politik mal anders: Was wäre, wenn du Deutschland regieren würdest? - Teil 2: Bildungswesen.​

Politik ist ein Thema, mit dem man sich zwangsläufig irgendwann auseinandersetzen muss – sei es zu Wahlen oder weil wieder ein Gesetz durchgewunken wurde, das zu Protesten führt.

Während der Bundestag in die Sommerpause startet, möchte ich den Juli zu einem politischen Monat machen: Jede Woche setze ich mich mit einem politischen Thema auseinander.

Ich zeige dir den aktuellen Stand und Alternativen auf und schildere dir meine Sicht. Am Ende eines jeden Beitrages findest du jeweils eine Umfrage, ob du eine Partei, die meine Ansichten vertritt, wählen würdest.

Bildung ist Ländersache. Das heißt, dass jedes Bundesland für die eigene Bildungspolitik zuständig und verantwortlich ist. Es gibt jedoch Unterschiede und Überschneidungen, die ich gern bundesweit vereinheitlichen würde.

Schulempfehlungen

Unser Bildungswesen besteht aus verschiedenen Institutionen. Die kindliche Bildung beginnt meist im Kindergarten oder der Vorschule. Der Eintritt in die Schule erfolgt mit der ersten Klasse der Primar- bzw. Grundschule. Im Anschluss folgt eine weiterführende Schule, die die Kinder bis zu ihrem Abschluss besuchen müssen. Hier gibt es etwa der Ersten Schulabschluss (ESA), den Mittleren Schulabschluss bzw. die Mittlere Reife (MSA) und die (Fach-)Hochschulreife bzw. das Abitur.

Die Wahl der weiterführenden Schule erfolgt in einigen Bundesländern auf Grundlage einer Schulempfehlung. Die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule geben ihre Empfehlung für den schulischen Werdegang der Schülerinnen und Schüler ab. In Schleswig-Holstein gab es diese schriftliche Empfehlung lange Zeit nicht. Eltern entschieden höchstpersönlich, auf welche weiterführende Schule sie ihre Kinder schickten.

Eltern neigen jedoch dazu, ihr eigenes Kind zu überschätzen. Der Weg auf das Gymnasium mag angesehen sein, führt jedoch bei Schülerinnen und Schülern, die schwächere Leistungen erbringen, eher zu Frustration und noch schlechteren Leistungen.

In Bundesländern wir Bayern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen sind diese Schulempfehlungen bereits verbindlich. Eltern wird die Wahl der weiterführenden Schule abgenommen.

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an Grundschulen
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an Haupt- und Realschulen
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an Gymnasien

Lehrer können die schulischen Leistungen von Kindern professionell und objektiv einschätzen und darauf basierend eine Schulempfehlung aussprechen. Eltern überschätzen ihre Kinder häufig und trauen ihnen mehr zu als sie tatsächlich leisten können. Schlechte Zensuren wirken demotivierend und deprimierend. Eine solche Fehleinschätzung durch die Eltern schadet den Kindern also und sorgt für eine noch stärker zunehmende Leistungsheterogenität in den weiterführenden Schulen, sowie Schülermangel an anderen Schulformen. Lehrerinnen und Lehrer sollten am Ende der Grundschule deshalb eine verbindliche Schulempfehlung aussprechen.

Digitalisierte Schule

Schülerinnen und Schüler wachsen heutzutage in einer digitalisierten, modernen Welt auf. Smartphone und Internet sind ihre täglichen Begleiter.

Schulen sind jedoch in den seltensten Fällen technisch auf dem neusten Stand. Nicht einmal jede zweite Schule verfügt über WLAN, die Betriebssysteme auf den Computern sind oft veraltet und Lehrkräfte sind nicht selten überhaupt nicht in der Lage, digitalisierten Unterricht durchzuführen.

Die Digitalisierung der Schulen erfordert ein hohes Budget. Dieses zu investieren, macht Schule für die heutigen Generationen wieder attraktiv und zukunftsorientiert. Die Kosten sollen in erster Linie durch den Bund gedeckt werden, ohne dass dies als Einmischung in die Länderhoheit gesehen werden kann. Da es um die Digitalisierung und nicht um die Veränderung des Bildungssystems gehen soll, soll das Geld bedingungslos zur Verfügung gestellt werden.

Zensuren

Zensuren sind ein Instrument zur Leistungsrückmeldung, dass die Leistungen der Schülerinnen und Schüler auf ein verständliches und transparentes Maß runterbrechen. In Schleswig-Holstein beispielsweise können Schülerleistungen benotet werden. Ergänzend zum Notenzeugnis wird am Ende jedes Schulhalbjahres ein Kompetenzraster ausgestellt. Bis zur siebten Klasse ist Schulen jedoch freigestellt, ob sie Noten vergeben oder ein Berichtszeugnis ausstellen.

Einige Politiker träumen gar von einer notenfreien Schule. Sie fordern die Abschaffung von Noten, um Leistungsdruck zu reduzieren.

Zensuren schaffen zwar einen gewissen Leistungsdruck sind aber ein Maßstab in der Schule, mit dem Schülerleistungen sichtbar und messbar gemacht und miteinander verglichen werden können. Zensuren dienen nicht dem Zweck, Schüler zu bestrafen, sondern spiegeln die erbrachte Leistung der Schüler wieder und stellen diese transparent und eindeutig dar. So werden mögliche Stärken und Defizite hervorgehoben und können aktiv gefördert werden. Aufgrund einer einheitlichen und allgemein bekannten Notenskala verstehen auch Eltern die Leistungen ihrer Kinder.

Noten und Berufseinstieg bzw. Studienbeginn

Neben mündlichen und schriftlichen Leistungen während der Schulzeit wird auch der Schulabschluss benotet. Diese Noten entscheiden maßgeblich über den weiteren Werdegang und sind für den Berufseinstieg oder die Wahl eines Studiums relevant. Der Notendurchschnitt entscheidet in der Regel über die Zulassung zu Berufseinstiegen oder einem Studienplatz.

Natürlich geben gute Noten auch einen Hinweis auf Fleiß und Ehrgeiz. Die Aussagekraft von Noten über den schulischen Alltag hinaus ins Berufsleben ist jedoch nur begrenzt möglich. Eine sehr gute Matheleistung macht mich nicht zu einem besseren Chirurgen, eine befriedigende Französisch-Note nicht zu einem schlechteren. Statt des Notendurchschnitts sollten individuelle Zugangstests darüber entscheiden, wer zu einem Beruf oder Studiengang zugelassen wird.

Lehrkräfte

In Zeiten, in denen ständig vom „Lehrermangel“ gesprochen wird, wundert es mich, was derzeit mit Lehrkräften gemacht wird. Da wäre zum Einen die Tatsache, dass Lehrkräfte und Vertretungslehrkräfte zum Teil nur für elf Monate angestellt werden. Sie werden über die Sommerferien (sechs Wochen) entlassen und nach den Sommerferien erneut eingestellt. So wird ein Gehalt für diese Lehrkräfte eingespart.

Zum Anderen sehe ich die Verbeamtung – bzw. Nicht-Verbeamtung – problematisch. So werden in Thüringen und Berlin keine Lehrkräfte verbeamtet, in Sachsen und Sachsen-Anhalt wird mit Einschränkungen verbeamtet.

Der Lehrerberuf ist ein tragender Beruf unserer Gesellschaft, der viele Herausforderungen mit sich bringt und das Ziel hat, Schülerinnen und Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen. Lehrkräfte handeln nach Vorgaben des Ministeriums – quasi als Exekutive der Bildung und sollten uneingeschränkt verbeamtet werden! Dies würde auch befristete Anstellungen nichtig machen und langfristig den Lehrermangel lösen.

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