Gesundheitspolitik – Politik mal anders

Politik mal anders: Was wäre, wenn Du Deutschland regieren würdest? - Teil 3: Gesundheitspolitik.

Politik ist ein Thema, mit dem man sich zwangsläufig irgendwann auseinandersetzen muss – sei es zu Wahlen oder weil wieder ein Gesetz durchgewunken wurde, das zu Protesten führt.

Während der Bundestag in die Sommerpause startet, möchte ich den Juli zu einem politischen Monat machen: Jede Woche setze ich mich mit einem politischen Thema auseinander.

Ich zeige euch den aktuellen Stand und Alternativen auf und schildere euch meine Sicht. Am Ende eines jeden Beitrages findet ihr jeweils eine Umfrage, ob ihr eine Partei, die meine Ansichten vertritt, wählen würdet.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat seit Beginn seiner Amtszeit schon einige Male für Lacher gesorgt. Viele denken, er wäre eine absolute Fehlbesetzung als Gesundheitsminister. Und dennoch hat er bereits ein paar sehr wichtige Themen angesprochen und die richtigen Steine ins Rollen gebracht.

Impfpflicht für Infektionskrankheiten

Laut Weltgesundheitsorganisation gab es 2018 in Europa mehr Masern-Infektionen als in den letzten zehn Jahren. Insgesamt rund 82.500 Europäer waren an Masern erkrankt, 72 Menschen starben daran. Insbesondere für Kinder und Alte kann eine Infektion mit Masern  gefährliche Folgen haben. Der riskante Anstieg an Neuinfektionen lässt sich insbesondere auf die Impfmüdigkeit und die Zahl der Impfgegner zurückführen. Letztendlich führt also Leichtsinn zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Masern.

In Deutschland gibt es aktuell keine Impfpflicht – jedem Menschen ist es selbst überlassen, ob er sich impfen lässt. Die grundsätzliche Abwehrhaltung der Bevölkerung gegenüber dem Impfen hat dazu geführt, dass auch immer wieder Erwachsene an vermeintlichen „Kinderkrankheiten“ erkranken. Wer sich oder seine Kinder nicht impfen lässt, riskiert dabei nicht nur die eigene Gesundheit, sondern ist potentiell auch in der Lage, die Krankheit an andere zu übertragen.

Im Sinne der Verfassung – „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ (§2 GG) – sollte jedes vermeidbare Infektionsrisiko durch eine Impfpflicht eingedämmt werden. Betroffen sein sollten neben Masern auch Infektionskrankheiten wie Röteln, Kinderlähmung, Keuchhusten, Diphterie und Tetanus.

Die Impfpflicht sollte für Kinder zur Voraussetzung zum Zugang in den Kindergarten und die Schule werden. Einhergehen muss diese Pflicht jedoch mit einer Kampagne, die die Angst vor dem Impfen nimmt – etwa indem über mögliche Risiken der Krankheiten aufgeklärt wird. Außerdem muss sichergestellt werden, dass ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Auch muss aus Impfpässen deutlich hervorgehen, wann geimpft wurde und wann eine Auffrischung des Impfschutzes notwendig ist.

165 Maserninfektionen 2012 in Deutschland16.5%
500 Maserninfektionen 2018 in Deutschland50%

Konversionstherapien verbieten!

Gemäß ICD-10, der internationalen Klassifikation für Krankheiten, gilt etwa Transsexualität noch immer als psychische Störung. Auch die Ansicht, dass Homosexualität eine Krankheit sei, ist noch immer weit verbreitet. Sogenannte Konversionstherapien nehmen an, dass man etwa Homosexualität heilen könne. Gesundheitsminister Spahn ist jedoch der Ansicht, dass Homosexualität keine Krankheit sei und deshalb auch keiner Therapie bedürfe.

Noch sind Konversionstherapien in Deutschland jedoch nicht per Gesetz verboten. Ein solches Gesetz wäre jedoch dringend nötig, da es noch immer Eltern gibt, die sich die Heilung ihrer homosexuellen Kinder erhoffen.

Auch im Bereich der Transsexualität sind einige Änderungen notwendig. Eine operative Geschlechtsumwandlung sollte keine Voraussetzung für die Annahme eines anderen sozialen Geschlechts sein. Das Prozedere muss deutlich vereinfacht werden, um Menschen, die es in unserer Gesellschaft ohnehin schwer haben, keine weiteren Steine in den Weg zu setzen.

STI-Aufklärung

Sexuell übertragbare Infektionen (STI = sexual triggered infections) sind auch in Deutschland noch ein Thema. Neben HIV ist derzeit vorallem Syphilis (Lues) wieder präsent. Die Zahl der Infektionen ist in allen Altersklassen seit 2007 angestiegen. Das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hat vor Kurzem einen Bericht zu diesem Thema herausgebracht.

Die folgende Abbildung zeigt die prozentuale Verteilung nach Übertragungsursache. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die meisten Übertragungen von Geschlechtskrankheiten von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) ausgehen. Der Anteil hat in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen, während heterosexuelle Menschen seltener als Überträger vorkamen.

2007

62%
MSM
23%
heterosexuelle Männer
15%
heterosexuelle Frauen

2017

77%
MSM
15%
heterosexuelle Männer
8%
heterosexuelle Frauen

Insgesamt lässt sich auch beobachten, dass die häufigsten Übertragungen im Alter von 19 bis 45 stattfinden. Die Ursache hierfür sieht etwa die Deutsche AIDS-Hilfe im Rückgang der Verwendung von Kondomen. Zusätzlich verschwindet die Angst vor Geschlechtskrankheiten zunehmend, weshalb ebenfalls mehr Fälle bekannt werden, die sich testen lassen.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Zahl der Syphilis-Infektionen die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland überholt. Syphilis schädigt Organe und Gewebe und kann wie AIDS zum Tode führen. Im Gegensatz zu AIDS kann Syphilis jedoch mit Antibiotika behandelt werden.

Bundesweite Kampagnen sollen über die Risiken ungeschützten Geschlechtsverkehrs aufklären, die Angst vor Tests nehmen und darüber informieren, woran man beispielsweise eine Syphilis-Infektion erkennt, um diese rechtzeitig behandeln zu können. Zudem wäre eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Verhütungsmittel wie Kondome angemessen, um diese im Preis zu senken und die Anschaffung kostengünstiger zu machen – eine gleichartige Senkung der Mehrwertsteuer soll für Damenhygieneartikel gelten.

Die HIV-Prophylaxe PrEP soll zeitnah von allen Krankenkassen übernommen werden. Sie sollte jedoch keinesfalls als Ersatz für Kondome verstanden werden, da sie zwar vor einer HIV-Infektion schützen, andere Geschlechtskrankheiten jedoch nicht verhinden können.

Pflegeberufe stärken

Deutschland altert. Das Durchschnittsalter der Deutschen lag 2015 bei etwa 44,5 Jahren, Tendenz steigend. In diesem Zusammenhang wird häufig vom Demographischen Wandel gesprochen: Während die Bevölkerung immer älter wird, bleibt der Nachwuchs aus. Eine gute medizinische Versorgung steigert zudem die durchschnittliche Lebenserwartung. Gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren. Dies bringt nicht nur Probleme in der Finanzierung des derzeitigen Rentenmodells mit sich.

Wo immer mehr Menschen immer älter werden, wird auch immer mehr Pflegepersonal benötigt. Dieses muss qualitativ und quantitativ ausgebildet werden. Um Pflegeberufe attraktiver zu machen, müssen nicht nur in der Theorie neue Stellen geschaffen werden. Bereits in der Ausbildung muss die Vergütung deutlich angehoben werden, um dem Personalmangel in Pflegeberufen entgegenzuwirken.

Organspenden via Widerspruchslösung?

Etwa 10.000 Menschen warten allein in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan, doch im Jahr 2017 gab es gerade einmal rund 800 Organspender. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass man in Deutschland frei entscheiden kann, ob man nach seinem Ableben Organe spenden möchte oder nicht. Damit ist Deutschland europaweit das einzige Land, in dem die sogenannte Entscheidungslösung gilt.

Gesundheitsminister Spahn strebt nach Vorbild der Franzosen jedoch die Widerspruchslösung an. Mit ihr würde jeder bei seinem Hirntod zum Organspender werden, der nicht zu Lebzeiten aktiv einer Transplantation widersprochen hat.

Eine solche Regelung sehe ich jedoch als Bevormundung. Denn so wie sich heutzutage kaum einer mit dem Thema Organspende befasst, wird sich auch niemand mit dem WIderspruch befassen.

Infolgedessen gäbe es zwar mit Sicherheit mehr Menschenleben, die aufgrund einer Organspende gerettet werden, gleichzeitig aber auch mehr unerwünschte Organspenden, die etwa aus ethischen Gründen nicht gewünscht war.

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