Nacktbilder und Körperkult

Nacktbilder und Körperkult

Praktisch, was ein Smartphone alles kann. Du kannst dein Essen auf Instagram posten, deine Urlaubsbilder an die Familie senden oder Selfies machen. Im Rahmen der sexuellen Reifephase können jedoch auch Nacktfotos verschickt werden. Was zunächst für eine gute Idee gehalten wird, kann sich später zum Albtraum entwickeln. Aber warum verschickt man überhaupt Nacktbilder und was hat der Körperkult damit zu tun?

Warum macht man eigentlich Nacktbilder?

Der Fortschritt der Technik und die sexuelle Lust machen es möglich: Sexting. Die Wortneuschöpfung aus Sex und Texting (Schreiben) erfreut sich insbesondere bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Es ermöglicht die erotische Stimulation via Smartphone, etwa durch sexuelle Nachrichten oder freizügliche Bilder und Videos.

Die Gründe für das Versenden solcher Bilder können vielseitig sein. Zum einen signalisieren sie das echte Interesse an Sex. Dies ist Teil der sexuellen Selbstfindungsphase, die Jugendliche in der Pubertät durchlaufen. Durch das Versenden erotischer Bilder möchten Jugendliche die Fantasie des Partners anregen. Gleichzeitig empfinden sie dadurch einen eigenen Lustgewinn.

Das Versenden oder Posten von Nacktbildern kann jedoch auch andere Hintergründe haben, beispielsweise ein geringes Selbstbewusstsein, den Wunsch auf Bestätigung oder die Verzweiflung aufgrund der vergeblichen Bemühung, Sex zu haben.

Körperkult: Wenn Schönheitsideale die Welt beherrschen

Schönheitsideale sind weitverbreitet: Frauen dürfen leichte Rundungen haben, sollten aber schlank sein, während Männer durchtrainiert sein und ein Sixpack haben müssen. Weil diese Ideale auf so viele Menschen ansprechend wirken, sind eben diese Ideale tief verankert und finden sich in TV-Produktionen und Werbung immer häufiger wieder: Auf Heidi Klums Laufsteg laufen superschlanke Knochengerüste und in der Werbung verspricht ein durchtrainierter Mann ohne Shirt das beste Rasiererlebnis, während er seinen Bart rasiert.

Infolgedessen wollen junge Mädchen diesem Ideal entsprechen und fühlen sich schlecht, wenn sie davon abweichen, während die Jungen täglich ins Fitnessstudio gehen. Die Menschen sind dem Schönheitswahn verfallen.

Dabei sind die Schönheitsideale auf der Welt überhaupt nicht einheitlich. Während bei uns braungebrannte Haut als Zeichen für einen fitten Körper gilt, gilt in Asien ein blasser Hautton als schön. Schönheitsideale verändern sich ständig. Schönheit kann dementsprechend abhängig sein von Ort und Zeit der Betrachtung. Sie ist rein subjektiv, sodass kein Schönheitsideal DAS RICHTIGE sein kann.

Gefahren des Sexting

Nacktheit macht verletzlich, denn sie zeigt das Intimste, was wir auf Fotos zeigen können. Und das kann negative Konsequenzen haben. Denn nicht immer sieht nur derjenige die intimen Fotos, für dessen Augen sie bestimmt waren. Laut einer aktuellen Studie geben 11% der Jugendlichen an, dass schon einmal Nacktbilder von ihnen weiterverschickt worden sind (JIM-Studie 2018). Dies kann nicht nur Mobbing zurfolge haben, sondern auch zu Erpressungen führen. Kein Schüler und keine Schülerin möchte gern, dass die Lehrkräfte oder die Eltern entsprechende Bilder zu sehen bekommen oder die Bilder online veröffentlicht werden.

Ein derartiges Verhalten kann rechtliche Konsequenzen haben. Denn sowohl Cybermobbing als auch Erpressungen und das Weiterverschicken fremder Bilder sind strafbar.

Folgende Tipps können deshalb helfen, um das Schlimmste zu verhindern:

  • Eltern sollten aufmerksam sein und sich für ein Gespräch anbieten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Kinder etwas belastet
  • Wenn auf Sexting und Nacktbilder nicht verzichtet werden will, sollte darauf geachtet werden, dass das Gesicht nicht auf dem Foto zu sehen ist
  • Plattformen wie Snapchat und Instagram bieten die Funktion, Bilder nach dem Ansehen zu zerstören und zeigen zudem an, wenn ein Screenshot gemacht wird.
  • Eltern sollten mit ihrem Kindern über die Gefahren des Internets sprechen.

Gefahren des Körperkults

Auch Schonheitsideale können fatale Folgen haben und etwa zu Essstörungen und Depressionen führen. Denn unter dem zwanghaften Vergleich mit anderen Menschen, die einem vermeintlichen Schönheitsideal entsprechen, leidet insbesondere das Selbstbewusstsein.

Es sollte deshalb darüber gesprochen werden, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt und dass Kinder und Jugendliche sich keinem Schönheitsideal unterzuordnen haben. Das Veröffentlichen von Nacktbildern und die zwanghafte Suche nach Bestätigung durch andere, kann wiederum zu Mobbing und abnehmenden Selbstbewusstsein führen.

Das Abweichen von vermeintlichen Schönheitsidealen wird häufig als „unnormal“ angesehen und führt deshalb zur Bewertung, Beleidigung und Diskriminierung. Bodyshaming verletzt nicht nur Gefühle, sondern führt auch dazu, dass immer mehr Jugendliche zwanghaft versuchen, vermeintlichen Schönheitsidealen zu entsprechen.

Infolgedessen hungern sie, nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein oder führen ein Erbrechen herbei, was letztendlich in Essstörungen münden kann.

"Eltern haften für ihre Kinder" - von wegen!

Cybermobbing, Erpressungen, das Weiterleiten von Nacktbildern und weitere Dinge, die in diesem Kontext strafrechtlich relevant sein können, werden entsprechend geahndet. Betroffene haben etwa Unterlassungsansprüche, wenn ein anderer ihre Bildern im Internet hochlädt. Werden die Bilder nach Erwirken einer einstweiligen Verfügung nicht entfernt, kann ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000€ fällig werden.

Darüber hinaus haben Betroffene ein Recht auf Schmerzensgeld und Schadensersatz, etwa wenn aufgrund des veröffntlichten Nacktfotos ein Jobangebot platzt. Verantwortliche haften hierbei selber – auch wenn sie noch minderjährig sind. Eltern haften nur für ihren Nachwuchs, wenn sie beispielsweise ihre Aufsichtspflicht in grober Weise verletzt haben. Bei 16- oder 17-Jährigen kann davon bei der Kommunikation im Internet keine Rede mehr sein.

Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht.“ entstanden. Er wurde dabei von mir eigenständig redaktionell und mit Hilfe dieser Quellen erstellt:

anwaltauskunft.de, daserste.de, zeitjung.de, blog.daydreamer-kev.de, aerztezeitung.de, bpb.de

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