Sprachassistenten im Klassenzimmer

"Alexa, erkläre den Satz des Pythagoras!" - Sprachassistenten im Klassenzimmer

Sprachassistenten sollen uns das Leben leichter machen – zumindest theoretisch. Deshalb hat mittlerweise beinahe jeder einen. Ob im Handy, dem PC oder auf der eigens entwickelten Hardware – Sprachassistenten sind in Mode. Doch können sie auch im Klassenzimmer weiterhelfen?

Sprachassistenten als Alleswisser

Schülerinnen und Schüler sind manchmal unglaublich wissbegierig und nicht immer können Lehrkräfte sofort die Antwort auf jede Frage liefern. Das Schöne an Sprachassistenten ist: Die Kommunikation mit ihnen ist so einfach, dass sogar die Jüngsten Zugang in die digitale Welt erlangen können. Die Sprachassistenten wie Amazon Echo (Alexa), Google Home, Siri und Cortana sind mit dem Internet verbunden und lernen ständig Neues dazu.

Doch sind sie damit automatisch für das Klassenzimmer geeignet und können vielleicht sogar Lehrkräfte in ihrer Arbeit unterstützen? Nehmen wir einmal Nachhilfe bei Alexa, Google, Siri und Cortana.

Test 1: Mathematik: "Erkläre mir den Satz des Pythagoras!"

Zunächst steht Mathematik auf unserem Stundenplan. Ich möchte von den Sprachassistenten wissen, was der Satz des Pythagoras ist.

Alle vier Sprachnachrichten konnten mir bei diesem Problem weiterhelfen. Am umfassendesten erklärte mir Alexa von Amazon den Satz des Pythagoras. Bei den Geräten mit Bildschirm wird oft die Lösung des Problems gesucht, lesen muss man sie dann jedoch selber – bei einer Klassengröße von etwa 25 Schülern könnte dies schwierig werden, sodass letztendlich wieder die Lehrkraft erklären muss. Bei mehreren Versuchen hatte auch Siri irgendwann keine Lust mehr, den Satz des Pythagors zu erklären und zeigte mir stattdessen nur noch das Suchergebnis.

Test 2: Geschichte: "Was ist der Vertrag von Maastricht?"

Im Geschichtsunterricht möchte ich von den Sprachassistenten wissen, was der Vertrag von Maastricht ist. Wieder können alle Sprachassistenten die Frage zumindest oberflächlich beantworten. Sowohl Amazon Echo als auch Google lesen mir Auszüge der Definition von Wikipeadia vor und können so erklären, dass der Vertrag von Maastricht der Vertrag über die Europäische Union darstellt, der vom Europäischen Rat unterzeichnet wurde. Cortana und Siri waren der Ansicht, dass ich mir die Definition von Wikipedia gefälligst selber durchlesen solle und haben mir nur die Internetsuche erspart.

Test 3: Physik: "Wie ist die Halbwertszeit von Uran?"

Wir widmen uns den Naturwissenschaften und machen ein wenig Physik mit unseren Sprachassistenten.

Während der Google Home-Assistent mir eine übersichtliche Tabelle mit Halbwertszeiten liefert, fängt Alexa an, über das Fernsehen zu reden. Cortana und Siri führen mich lediglich zu Suchergebnissen aus dem Internet, aus denen ich mir dann noch ein passendes raussuchen muss.

Test 4: Englisch: "Was heißt 'Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz' auf Englisch?"

Dieses doch recht abschreckend wirkende, ellenlange Wort (es hat 63 Buchstaben) gehört zu den drei längsten Wörtern des DUDEN-Korpus‘. Direkt übersetzt haben mir Alexa und Siri das Wort, auch Google zeigt mir Seiten mit einer Übersetzung an, während Cortana das lange Wort sucht. Zwar wird unter den Suchergebnissen auch eine Übersetzung angezeigt, das primäre Ziel hat der Sprachassistent von Microsoft jedoch verfehlt.

Das Ergebnis: Eher schlecht als recht.

Alexa75%
Google Home75%
Siri50%
Cortana25%

Keiner der Sprachassistenten kann mich als Lehrer zu 100% von seiner Tauglichkeit im Klassenzimmer überzeugen, auch wenn Alexa, Google Home und Siri einige Fragen gewinnbringend beantworten konnten. Sie ersparen beispielsweise das Nachschlagen im Buch, verstehen die komplexen Fragestellungen des Unterrichts jedoch nur bedingt. Fachlich können die Sprachassistenten also noch nicht sinnvoll in den Unterricht integriert werden.

Sprachassistenten als Datenfresser

Sprachassistenten könnten aber weitere Probleme ins Klassenzimmer bringen, als Missverständnisse und offene Fragen. So kann man über die Sprachassistenten zumindest zum Teil auch Inhalte abrufen, die nicht kinderfreundlich sind oder sogar Kosten verursachen können. Schnell verliert man die Kontrolle über die Sprachassistenten, denn 25 Schülerinnen und Schüler können sie gleichzeitig ansprechen und so Reaktionen hervorrufen, die den Unterricht stören und beeinflussen können. Das ist ein Problem, denn eine richtige Kindersicherung gibt es für die gängigsten Sprachassistenten noch nicht.

Darüber hinaus ergibt sich ein datenschutzrechtliches Problem. Denn wenn man Sprachassistenten mit einem bestimmten Wort aktiviert, lauschen diese die gesamte Zeit gespannt, ob dieses Aktivierungswort fällt. Sie hören also zu und nehmen unter Umständen Gespräche wahr, die persönliche Daten oder Informationen beinhalten. Die Hersteller der Sprachassistenten haben größtenteils bestätigt, dass Gespräche und Informationen, die mit dem Sprachassistenten geteilt werden, unter Umständen gespeichert und verarbeitet werden können. Amazon, Apple, Google und Microsoft sind US-amerikanische Unternehmen, sodass jene Informationen in den Vereinigten Staaten gespeichert werden würden.

Sprachassistenten sind also nicht nur inhaltlich nicht wirklich für den Unterricht geeignet, sie sind auch aus rechtlicher Sicht überhaupt gar nicht für die Institution zugelassen. Die Zukunft der Schule sieht also definitiv anders aus!

 

Dieser Beitrag ist in bezahlter Partnerschaft mit der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht.“ entstanden. Er wurde dabei von mir eigenständig redaktionell erstellt. Folgende Quellen wurden verwendet:
schau-hin.info, spiegel.de, netzwerk-digitale-bildung.de

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