Ist deine Rente in Gefahr?

Wirtschaftsstudie fordert Erhöhung des Renteneintrittsalters: Ist deine Rente in Gefahr?

In Rente das Alter genießen – nach einem langen Berufsleben oft der Traum vieler Leute. Was früher bereits mit 65 Jahren möglich war, ist jetzt erst mit 67 möglich. Nun will die Bundesbank das Renteneintrittsalter sogar erneut anheben: auf 69 Jahre und vier Monate.

Warum soll das Renteneintrittsalter erneut angehoben werden?

Um zu verstehen, warum die Bundesbank das Renteneintrittsalter erneut anheben möchte, ist nebenstehend erklärt, wie „Rente“ überhaupt funktioniert.

Indem du und alle anderen Arbeitnehmer mit ihrem Beitrag zur Rentenversicherung einzahlen, erhält die Rentenversicherung das Geld, das – inkl. eines staatlichen Zuschusses – dann für die Rente aufgebracht wird.

Doch das Rentensystem wird durch den demographischen Wandel massiv belastet. Unsere Gesellschaft befindet sich in vielerlei Hinsicht im Umbruch und das bekommt auch das Rentensystem zu spüren.

  1. Die Geburtenzahlen sind konstant rückläufig. Während also immer mehr Menschen älter werden, folgen immer wenige junge Menschen nach.
  2. Die Lebenserwartung steigt zunehmend. Menschen werden also immer älter und beziehen somit länger eine Rente.
Daraus resultiert eine erhöhte Rentenlast. Finanzierten 1955 noch fünf Erwebstätige eine Rente, werden es 2030 nur noch zwei Beschäftigte sein. Durch die erneute Anhebung des Renteneintrittsalters wird die Zeit, in der Rente bezogen wird, um zwei Jahre reduziert, während gleichzeitig die Zeit des Einzahlens in die Rentenkasse um zwei Jahre verlängert wird – zumindest in der Theorie. Die Bundesbank fordert deshalb die Erhöhung des Renteneintrittsalters.

Rente mit fast 70 steigert Altersarmut!

„Viele Arbeitnehmer erreichen schon heute das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht und landen in Hartz IV“, sagt etwa der stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, Christian Bäumler. Grund hierfür seien vor allem die vorzeitige Arbeitslosigkeit oder chronische Krankheit. 

Auch – oder insbesondere – aus der SPD wird Kritik laut: Generalsekretär Lars Klingbeil warnte davor, „Menschen zu zwingen, bis 70 zu arbeiten, um eine vernünftige Rente zu bekommen [sei] kein Rentenkonzept für die Zukunft„. Die Regierung setze sich für mehr Verantwortung in der Rentenreform ein.

Die Studie der Bundesbank zieht auch Kritik der Gewerkschaften nach sich. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) betonte, dass sich Ältere nach dem Bezug von Arbeitslosen- oder Krankengeld  „nur mit Mühe in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen“ retten könnten. Dies hätte oftmals Altersarmut zur Folge. „Wer also das Renteneintrittsalter anhebt, kürzt all diesen Menschen eiskalt deren Rente. Gerecht geht anders.“

So sei bereits der Anstieg auf 67 Jahre ein Fehler gewesen. Sozialverbände sehen dies ähnlich. Ein weiterer Anstieg „würde mehr Probleme schaffen als lösen“, meint etwa Wolfgang Stadler, der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt.

Gibt es auch Fürsprecher?

Neben der Bundesbank, die mit ihrem aktuellen Bericht eine erneute Anhebung des Renteneintrittsalters ins Gespräch brachte, kommt auch von Seiten der Arbeitgeber Zuspruch. Dort ist man der Meinung, dass eine höhere Lebenserwartung auch zu einer längeren Erwerbstätigkeit führen müsste. Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ist der Meinung, dass die Anhebung des Renteneintrittsalters „nur in dem Maße, in dem die Lebenserwartung steigt“ angehoben werden dürfe. Dabei sei zu beachten, dass mit körperlich belastenden Berufen oftmals eine niedrigere Lebenserwartung einhergehe.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht sich für ein flexibles Renteneintrittsalter aus, betont aber, dass ein nachhaltiges Rentensystem ohne Verlängerung der Erwerbstätigkeit nicht möglich sei. Auch aus der FDP kommt Zuspruch für ein flexibles Renteneintrittsalter und die Verlängerung des Erwerbstätigkeit. 

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»Wir müssen uns von der lähmenden Debatte eines starren Renteneintrittsalters freimachen. Lebenswege sind individuell. Nicht mehr Politiker sollten entscheiden, wann man in Rente geht, sondern jede und jeder selbst.«

Johannes Vogel

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FDP-Generalsekretär in Nordrhein-Westfalen

Welche Möglichkeiten gibt es?

Die FDP fordert eine Individualisierung des Renteneintritts nach den Wünschen der Arbeitnehmer. Kombiniert werden müsste diese Forderung mit einer Einheits- bzw. Grundrente. Prominentes Beispiel hierfür ist Schweden: Wer dort nur eine kleine oder sogar gar keine Rente beziehen kann, hat Anspruch auf die sogenannte Garantierente.

Doch auch die Garantierente ist an Bedingungen geknüpft. Sie bekommt nur, wer erwerbstätig war, und wessen Einkommensrente nicht für das Existenzminimum ausreicht. Damit ist die Garantierente etwas höher als Sozialhilfe, sodass Bezieher, die nie oder nur sehr wenig gearbeitet haben, mit denen gleichgestellt werden, die zwar ihr Leben lang gearbeitet haben, deren Rente aber dennoch nicht ausreicht.

Doch im Gegensatz zu den Forderungen in Deutschland, gibt es in Schweden ein nicht flexibles Renteneintrittsalter: 65 Jahre. Das Rentensystem lässt sich also nur bedingt Eins-zu-Eins aus Schweden übertragen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) etwa fordert eine Beitragserhöhung von 0,5%. Infolgedessen würde am Ende eines jeden Monats weniger Geld vom Lohn auf dem eigenen Konto landen. Stattdessen würde dieses Geld der Rentenkasse zugutekommen. Das Problem wäre dadurch jedoch nur kurzfristig gelöst, weil der Demographische Wandel auf Dauer dazu führen wird, dass die Erwerbstätigen weniger werden, während die Rentner mehr werden. Das Problem wird also lediglich zeitlich verschoben.

Alternativ hierzu könnte der Bund des Bundeszuschuss zur Rentenversicherung erhöhen. Derzeit sind dies jährlich rund 55 Milliarden Euro – eine Summe, die im Haushalt bereits auffallen dürfte. Dass die Bundesregierung sich zu einer Erhöhung des Bundeszuschusses überreden lässt, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Die Erhöhungen des Renteneintrittsalters in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Bundesregierung nicht bereit ist, den Bundeszuschuss zu erhöhen.

Da die Zukunft und die Sicherheit einer ausreichenden Rente höchst unwahrscheinlich erscheint, stellt sich die Frage: Was tun? Die einzige Lösung scheint die private Absicherung zu sein – die private Altersvorsorge. Denkbar ist dies etwa über die Auszahlung einer Lebensversicherung oder aber über eine Anlagemöglichkeit, zum Beispiel bei der Bank. Diese bieten beispielsweise „Riester-Sparpläne“ oder eine „Rürup-Rente“ an. Die jeweiligen Vor- und Nachteile kann dir dein Bankberater aber besser erklären als ich es könnte. Was ich dir jedoch sagen kann: Je früher du mit der privaten Altersvorsorge anfängst, desto besser.

Zwar lässt sich das staatliche Rentenproblem auch dadurch nicht beheben, doch es sorgt zumindest dafür, dass du am Ende nicht leidtragend bist.

Jetzt bist du gefragt!

Welche Möglichkeit siehst du für das deutsche Rentensystem und investierst du in private Altersvorsorge?

Quellen: focus.de, spiegel.de, tagesschau.de, bundestag.de, Statistisches Bundesamt, einfach-rente.de

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