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Tafel war gestern – Schule im digitalen Zeitalter

Tafel war gestern - Schule im digitalen Zeitalter

Dieser Beitrag wurde recycled.

Er erschien erstmals am 22. September 2015 und wurde überarbeitet und hat ein neues Aussehen erhalten.

Was in Deutschland noch immer rar ist, ist in anderen Ländern längst Gang und Gebe. In England und den Vereinigten Staaten sind viele Klassenräume bereits mit SmartBoards ausgestattet, einer Art digitale Tafel, angeschlossen an einen Computer. Im Schulranzen findet man keine Hefte, wie man es aus der eigenen Schulzeit kennt, sondern Tablet-PCs. Zwar schreitet Deutschland in sämtlichen Wirtschaftsbereichen der Digitalisierung entgegen, das Bildungswesen bleibt jedoch auf der Strecke, die Meinungen gehen weit auseinander.

Der klassische Unterricht mit dem Buch und der Tafel scheint somit bereits überholt. Doch in der Praxis halten viele Lehrkräfte am konventionellen Unterricht fest. Welche Ursachen gibt es hierfür? In der Blogparade „Zeitgemäßes Lernen“ geht es um Fragen wie diese.

 

"Bildung" kommt von "Bildschirm" nicht von "Buch".

Es ist ein bekanntes Bild: In der Bahn oder im Bus sitzt ein Kind, das Alter an beiden Händen abzählbar, in der Hand ein Smartphone. Die Digitalisierung hat auch die jüngste Generation erreicht. So wirbt sogar Microsoft im offiziellen TV-Spot für Windows 10 mit kleinen Kindern. Computer, Smartphone und Co scheinen eine feste Rolle im Alltag einnehmen zu wollen, das Bildungswesen bleibt davon nicht verschont, oder?

Frontalunterricht kennt jeder. Und doch hat sicherlich jeder schon einmal einen Film im Unterricht gesehen oder sein Referat mit einer Präsentation visualisiert. Das Spektrum der Medien, die im Unterricht eingesetzt werden könnten, ist gewaltig. Und digitaler Unterricht könnte so einfach sein:
In der Klasse wird gemeinsam an einem Tafelbild gearbeitet. Hier wird alles irgendwie festgehalten, was im Unterricht passiert und anschließend in einer Cloud gespeichert, wo Schüler und Lehrer es jederzeit wieder abrufen können.

Doch die Realität sieht anders aus: Handyverbote in der Schule, Internet gibt es bestenfalls im Computerraum, doch hier funktionieren die Rechner nur, wenn man Glück hat.

Ich kann jedoch durchaus verstehen, wenn Lehrkräfte der Ansicht sind, digitale Medien hätten keinen Platz im Unterricht.

Wo kämen wir beispielsweise hin, wenn Schüler nicht mehr schreiben, sondern nur noch tippen würden? „Schreiben Sie bitte noch Ihren Namen auf den Fragebogen?“ – „Wo ist denn die Tastatur?“ Natürlich könnten wir Papier sparen, aber auch der Strom muss irgendwo herkommen und reicht es nicht, dass die Kinder in ihrer Freizeit kaum noch von den Geräten zu lösen sind? Wie gut kann man sich etwas merken, was man nicht mehr abschreibt, sondern vielleicht per Mail erhält oder kopiert und einfügt? Und wie sollen Lehrkräfte kontrollieren, dass die Schüler dem Unterricht folgen und nicht ihr Facebookprofil pflegen oder den neusten Tratsch auf Twitter retweeten? Daran hindern kann man sie jedoch auch ohne digitalen Unterricht nicht. Sollen Hausaufgaben künftig von Würmern und Computer-Viren und nicht mehr von Hunden gefressen werden?

92% der Kinder bringen ihr Smartphone mit zur Schule.

Aus der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Süd-West geht hervor, dass Kinder und Jugendliche täglich rund 214 Minuten im Netz und am Smartphone verbringen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass eine BitCom-Studie angibt, dass 92% der Kinder und Jugendlichen ihr Smartphone auch mit zur Schule bringen.

Das birgt jedoch nicht nur Gefahren, sondern kann durchaus zum Lernerfolg beitragen. In meiner Bachelorarbeit habe ich mich beispielsweise mit Apps beschäftigt, die man im Fachunterricht sinnvoll verwenden kann.

Inzwischen boomt der Markt, denn auch die Verlage sind auf den E-Learning-Zug aufgesprungen. Sie ergänzen ihr klassisches Schulbuch um digitale Lernplattformen, Zusatzmaterial oder Videos und verknüpfen so konventionelle und digitale Medien.

Zusätzlich gibt es Apps, die im Unterricht sinnvoll verwendet werden können. Seien es Rallyes im Geographieunterricht, Simulationsspiele im Wirtschaftsunterricht oder Vokabeltraining im Englischunterricht – das Smartphone bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Und obwohl ich nicht möchte, dass meine Schülerinnen und Schüler auch im Unterricht dauerhaft vor dem Bildschirm sitzen, finde ich das Potenzial neuer Medien unglaublich. Ich finde es wichtig, dass auch digitale Medien in den Unterricht eingebunden werden.

Die Digitalisierung der Bildung

Der Unterricht sollte aber keinesfalls ausschließlich auf digitalen Medien basieren. Zu verlangen, dass Schüler und Schülerinnen sich ein eigenes Tablet für die Schule anschaffen, halte ich deshalb für schwierig. In Deutschland hat jeder ein Recht auf Bildung und jedem muss der Zugang zu Bildung ermöglicht werden. Durch die verpflichtende Anschaffung von Smartphone oder Tablet wird jedoch eine finanzielle Barriere erbaut.

Digitale Medien wie das SmartBoard verdienen eine Chance. Trotzdem sollte auch ihr Einsatz nicht verpflichtend sein. Denn die Geräte, mit denen jeder der Jugendlichen groß wird, gab es vor ein paar Jahren noch nicht, einige Lehrer hingegen schon. Und ich wage zu behaupten, dass einige Schüler im Bereich Medien sogar kompetenter sind als ihre Lehrkräfte. Obwohl ich dagegen bin, jeden Schüler und jede Schülerin mit einem Tablet auszustatten und in Zukunft auf Heft und Füller zu verzichten, ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen im Medieneinsatz zu lehren. Jeder muss heutzutage wissen, wie ein Computer bedient wird. Jeder sollte mit Programmen wie Excel umgehen können. Wir können die Digitalisierung nicht leugnen, weder in der Schule und schon gar nicht danach.

Schule hat einen Bildungsauftrag und verpflichtet sich deswegen auch, Medienkompetenz zu vermitteln. Sie schult den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien in und außerhalb der Schule.

62%
der Lehrkräfte
73%
der Lernenden

sagen, dass Unterricht durch den Einsatz digitaler Medien abwechslungsreicher werde.

Abwechslungsreicher Unterricht fordert nachweislich die Lernleistung der Schülerinnen und Schüler und erhöht auch die Lernbereitschaft. Diese Abwechslung geht jedoch verloren, wenn man den Unterricht allein auf digitalen Medien aufbaut. Zeitgemäße Bildung mit digitalen Medien darf deshalb keinesfalls Tafel und Schulbuch ablösen, sollte den konventionellen Unterricht jedoch ergänzen.

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