Coronavirus: Droht uns eine Pandemie?

Coronavirus: Droht uns eine Pandemie?

Das Coronavirus ist ein Virus, der bei Menschen, Säugetieren und Vögeln eine Erkrankung der Atemwege hervorruft. Das Virus gibt es dabei schon seit langer Zeit und in vielen verschiedenen Formen. Das Coronavirus SARS-CoV löste etwa 2003 die Krankheit SARS (schweres akutes respiratives Syndrom) aus, welches ebenfalls aus China stammte und weltweit 774 Tote verzeichnete.

Die Form des Coronavirus, die aktuell für Aufregung sorgt, stammt ebenfalls aus China. Dabei handelt es sich jedoch um ein neuartiges Coronavirus, welches von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als 2019-nCoV bezeichnet wird, weil es im Dezember 2019 erstmals auftrat. Während die chinesische Regierung eine komplette Region unter Quarantäne stellt, sind erste Fälle auch in den USA und in Europa nachgewiesen. Droht uns eine Pandemie?

Woher kommt das Coronavirus plötzlich?

Die chinesische Regierung informierte am 31. Dezember 2019 die Weltgesundheitsorganisation über mehrere Fälle einer schweren Lungenentzündung in der Stadt Wuhan, deren Erreger bisher nicht bestimmt werden konnte. Anfangs gingen die Behörden davon aus, dass der Erreger nur sehr schwer von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. Bis zum 03. Januar 2020 wurden aus Wuhan 44 Fälle der bis dahin unbekannten Lungenkrankheit gemeldet. Bis zum 20. Januar 2020 meldeten auch Thailand, Japan und Südkorea bestätigte Fälle der Lungenkrankheit. Aufgrund des erhöhten Vorkommens bei Fernreisenden gehen Experten davon aus, dass die ursprünglich mitgeteilte Zahl von 44 Infektionen weitaus höher sein muss. Sie schätzen die Zahl der Infizierten in Wuhan am 17. Januar auf 1.700. Da auch Angehörige des Klinikpersonals an den Erregern erkrankten, konnte festgestellt werden, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Zur Zeit sind mehr als 2.700 Infektionen bekannt, die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher sein.

Am 23. Januar 2020 stellte die chinesische Regierung die Stadt Wuhan, die rund neun Millionen Einwohner hat, unter Quarantäne und kappte sämtliche Flüge, Züge und Nahverkehrsverbindungen in die Metropolregion. in Wuhan wurde ein Krisenzentrum für Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie eröffnet.

Bislang hat die Weltgesundheitsorganisation den aktuellen Ausbruch des Coronavirus nicht als Pandemie eingestuft, obwohl auch außerhalb Chinas inzwischen einige Fälle bestätigt worden sind. 

Da außerhalb von China bisher „nur“ rund 80 Fälle bestätigt sind, wird jedoch noch nicht von einer Pandemie gesprochen. Das neuartige Coronavirus hat jedoch das Potenzial, zur Pandemie zu werden. Viren, die Pandemien auslösen, zeichnen sich meist durch eine Mutation eines bekannten Virenstammes aus. Dieser geht mit einer erhöhten Ansteckungsgefahr einher und breitet sich deshalb schlagartig aus.

Auch das Grippevirus, welches jährlich wieder zur Grippe führt, ist in der Vergangenheit bereits häufiger auf diese Art und Weise zur Pandemie geworden – mit verheerenden Folgen:

Durch die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 starben mehr Menschen als durch den Ersten Weltkrieg. 50 Millionen Menschen starben weltweit an der Spanischen Grippe. Zuletzt sorgte die Schweinegrippe weltweit für eine solche Pandemie des Grippevirus. Zwar war die Schweinegrippe sehr ansteckend, jedoch nicht sonderlich gefährlich.

Das neuartige Coronavirus könnte beides sein: Bisher sind mehr als 100 Menschen in China an der Lungenkrankheit gestorben.

60 Millionen Menschen unter Quarantäne

Die chinesische Regierung reagierte konsequent auf die Epidemie im eigenen Land. Nach Wuhan wurden noch weitere Städte unter Quarantäne gesetzt. Insgesamt knapp 60 Millionen Menschen sollen isoliert worden sein. Die chinesische Regierung erhofft sich durch diese Maßnahme, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Eine eigene Klinik, die nun innerhalb von 14 Tagen entstehen soll, soll für die Versorgung der Infizierten sorgen.

Die Quarantäne ist ein althergebrachtes Verfahren, um Infektionen und Krankheitserreger einzukesseln. Zwar mag dies bitter für Betroffene wirken, doch man erhofft sich dadurch, den Erregern die Kraft zu nehmen. 

Der erschütternde Gedanke dahinter ist die Eindämmung des Erregers. Hierdurch steht diesem nur eine begrenzte Anzahl an Wirten zur Verfügung. Diese kann er zwar infizieren, irgendwann wird er jedoch alle infiziert haben. Irgendwann werden einige von ihnen sterben, die andere werden eine Immunität entwickeln, sodass das Virus besiegt wäre – denn einen Impfstoff oder andere Heilungsmittel gibt es bisher nicht. Lediglich Symptome können behandelt werden.

Quarantäne kennt man in der Regel nur von einzelnen Personen. Doch bereits 1374 wurde zum ersten Mal eine isolierte Stadt belegt. Damals wurde die italienische Stadt Reggio nell’Emilia für zehn Tage abgeriegelt. Damals erkannten die Mediziner, dass eine Isolation von zehn Tagen nicht ausreichend war. So setzte sich die 40-Tage-Isolation durch, die den Namen Quarantäne erhielt (von ital. quaranta = Vierzig).

Seuchenexperten halten die Idee einer Isolation in diesem Ausmaß jedoch eher für kontraproduktiv. Denn erstens ist diese Isolation der aktuelle Grund dafür, dass die Weltgesundheitsorganisation noch keinen internationalen Notstand ausgerufen hat. Seit dem großen Ebola-Ausbruch in Westafrika im vergangenen Jahr wird eine derartige Qurantäne zunehmend infrage gestellt. 

  • Eine vollständige und lückenlose Quarantäne von Millionenstädten wie Wuhan oder mehr als zehn Städten gleichzeitig ist kaum umsetzbar, da moderne Städte einerseits sehr stark von Transportlogistik und Warenströmen abhängig sind und andererseits der Kontrollaufwand immens wäre.

    Daniel F. Lorenz

    Katastrophenforscher der FU Berlin
  • Die massenhafte unfreiwillige Quarantäne in Wuhan und seinen Nachbarstädten ist kontraproduktiv. Kleinere Quarantänen wie bei der westafrikanischen Ebolaepidemie haben den Zorn und die Unruhe der Öffentlichkeit angeheizt.

    Lawrence O. Gostin

    Direktor des O’Neill Institute for National and Global Health Law

Eine Quarantänemaßnahme dieser Dimension könnte dazu führen, dass die Menschen, die Symptome zeigen, keine Möglichkeit haben, sich testen zu lassen. Auch die Regale in den Supermärkten werden sich leeren. Es wird einen Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln geben. Ein niedriges Angebot führt zudem zur Erhöhung der Preise. Die Unzufriedenheit mit der staatlichen Leistung wäre die Folge und könnte zu aggressiven Protesten führen. Der schnelle Bau neuer Kliniken in Wuhan ist deshalb die einzig logische Reaktion, um den Bürgern zu zeigen, dass dem Staat die Versorgung der isolierten Bevölkerung nicht egal ist.

mehr als
1000
Infektionen weltweit
rund
100
Tote

Müssen wir in Deutschland Infektionen befürchten?

In Frankreich gibt es bereits nachgewiesene Infektionen und auch in den USA sind bereits Infektionen bestätigt. Christian Drosten, Virologe von der Charité in Berlin, sagte im Deutschlandfunk: „Wir müssen damit rechnen, dass wir Fälle nach Deutschland bekommen und wir müssen uns im gesamten Gesundheitssystem darauf vorbereiten.“ Am Montagabend, 27. Januar 2020, verkündete das bayerische Gesundheitsamt den ersten bestätigten Fall des Coronavirus in Deutschland. Der Infizierte sei isoliert und Personen, die potentiell Kontakt hatten, wurden informiert. Inzwischen sind auch weitere Fälle in Deutschland nachgewiesen.

Deutschland hat Angst. Niemand möchte hierzulande an dem neuartigen Virus erkranken. Die Nachfrage an Atemmasken ist rapide gestiegen. Die Drogeriekette dm verkündete am 27. Januar, dass der Mundschutz in einigen Filialen bereits ausverkauft sei.

Der einfache Mundschutz habe jedoch nur eine begrenzte Wirkung. Der Tagesspiegel bezeichnet die Masken gar als „psychologischen Selbstbetrug“.  Auch Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Wirksamkeit einfacher Papiermundschutzmasken.

Eines ist jedoch unumstritten: Auch diese Hilfsmittel sind nie komplett sinnlos. Wichtig beim Umgang mit dem Mundschutz ist: Der Mundschutz muss eng am Gesicht anliegen. Sie sollten etwa einen modellierbaren Metalldraht enthalten, um die Form ans Gesicht anzupassen. Sitzt die Maske zu locker, so strömt Luft an der Seite hinter die Maske und transportiert Aerosole und potentielle Erreger an der Maske vorbei.

Typische Maßnahmen zum Infektionsschutz sollte man jedoch auch mit Maske nicht vernachlässigen: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen sowie bewusstes Abstandhalten von möglichen Infizierten. Ein Mundschutz ist sinnlos, wenn man sich etwa mit seinen kontaminierten Händen an den Augen reibt und die Erreger so von den Händen über die Schleimhäute der Augen in den Körper gelangen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht Deutschland für den Fall möglicher Infektionen gut gewappnet.

kevvoegelchen3 (1)

»Grundsätzlich sind wir wachsam, wir nehmen die Dinge sehr ernst, wir sind aber auch gut vorbereitet.«

tagesspiegel.de, welt.de, t-online.de, merkur.de, br.de

Essen und Trinken

Wie gesund ist eigentlich Kaffee?

Kaffee ist für viele das Lebenselixier – ohne geht nichts. Doch wie gesund ist eigentlich Kaffee? Was ist dran an den Kaffeemythen?

Forschung und Technik

Organspende: Meine Organe bekommt ihr nicht!

Aktuell warten rund 10.000 Menschen in Deutschland auf eine Organspende. Diese könnte ihnen das Leben retten, doch im letzten Jahr wurden nicht einmal 1.000 Spenderorgane gefunden.

Körper & Geist

Die gefährlichsten Erreger der Welt

Erst vor Kurzem berichteten Medien von einer neuen Ebola-Welle im Kongo, bei der mehrere tausend Menschen an der Krankheit starben. Doch Ebola ist nicht die gefährlichste Krankheit der Welt.

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *