Tesla in Brandenburg: Wie nachhaltig ist es, für E-Autos einen Wald zu roden?

Tesla in Brandenburg: Wie nachhaltig ist es, für E-Autos einen Wald zu roden?

Tesla ist der führende Hersteller von Elektrofahrzeugen. Sie gelten als nachhaltige Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Allein in Deutschland sind derzeit mehr als 300.000 E-Autos zugelassen. Mit Blick auf den Klimawandel und die Verkehrswende scheint die Elektromobilität in Deutschland ein vielversprechender Wirtschaftszweig zu sein. Das US-amerikanische Unternehmen Tesla kündigte bereits im November 2019 an, seine erste Fabrik in Europa zu bauen. Als Standort nannte Tesla-Chef Elon Musk das Berliner Umland.

In der brandenburgischen Gemeinde Grünheide soll bis 2021 die vierte sogenannte Gigafactory von Tesla entstehen. Das Unternehmen hat ein 300 Hektar großes Gelände in Brandenburg gekauft, der Landtag entsprechende Beschlüsse gefasst und die ersten Vorbereitungen für den Bau der Giga-Fabrik sind bereits angelaufen: Die Rodung einer riesigen Waldfläche.

Tesla will klimaneutral produzieren.

Tesla möchte in Brandenburg klimaneutral produzieren. „Es soll ein klimaneutrales Produkt hergestellt werden: ein Elektroauto, dessen Produktionsprozess bereits klimaneutral sein soll“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Der Standort Brandenburg ist mit dieser Absicht durchaus sinnvoll gewählt: Gemessen an der Fläche und den Einwohnern hat Brandenburg die höchste Produktion von Erneuerbaren Energien in Deutschland. So könnte zumindest der für die Produktion benötigte Strom rein aus regenerativen Energiequellen gewonnen werden. Dass auch Tesla diese Absicht verfolgt, verdeutlicht bereits der Slogan des Unternehmens: “Tesla beschleunigt den weltweiten Übergang zu nachhaltiger Energie”.

Die Produktion von E-Autos ist einer der größten Kritikpunkte an der Nachhaltigkeit der E-Autos. Abgesehen davon, dass für den Bau der Batterien seltene Erden verwendet werden, die umweltschädlich sein können, wird für die Produktion der Batterien sehr viel Strom benötigt. Der Bau eines E-Autos kann also nur nachhaltig sein, wenn es auch der verwendete Strom ist. Das gilt auch für den Betrieb des Fahrzeugs. Eine konsequent klimaneutrale Produktion der E-Autos könnte Kritiker zum Verstummen bringen.

Die Nachhaltigkeit der deutschen Fabrik wird derzeit jedoch aus ganz anderen Gründen infrage gestellt. Denn auf dem Gebiet, welches das US-Unternehmen für den Bau seiner neuen Fabrik erworben hat, steht derzeit ein Wald. Für den Bau der neuen Fabrik muss dieser nun weichen. Tesla hatte im Februar bereits mit den Rodungsarbeiten auf einem zunächst 90 Hektar großen Gebiet begonnen.

Gericht stoppt Rodung durch Tesla.

Am 13. Februar begann Tesla, die Bäume bei Grünheide zu fällen. Umweltaktivisten demonstrierten gegen die Rodung und reichten Eilanträge beim Verwaltungsgericht ein, um die Abholzung zu stoppen. Da das Landesamt jedoch zunächst die Erlaubnis erteilt hatte, den Wald zu roden, lehnte das Verwaltungsgericht in Frankfurt die Eilanträge ab. In zweiter Instanz gab jedoch das Oberverwaltungsgericht den Anträgen statt und stoppte die Rodung durch Tesla, denn derzeit liegt noch überhaupt gar keine Genehmigung für den Bau der Fabrik vor.

Den Umweltverbänden, die gegen die Rodung durch Tesla klagten ging es jedoch nicht etwa um die Bäume. Diese sollten ohnehin für eine vor Jahrzehnten geplante BMW-Fabrik fallen. Demnach ginge es auch nicht um einen persönlichen Schlag gegen Tesla oder Elektromobilität. Die Umweltverbände, die die Klage eingereicht hatten, werfen der Landesregierung von Brandenburg vor, deutsches und europäisches Recht für Tesla gebeugt zu haben: Die unwiderrufliche Vernichtung der Natur ohne Vorliegen rechtskräftiger Genehmigungen für das Gesamtvorhaben. Zwar habe sich, so sagt das Landesumweltamt, Tesla dazu verpflichtet, den Ausgangszustand wiederherzustellen, sollte die Genehmigung schließlich nicht erteilt werden, ob das jedoch ökologisch überhaupt machbar und sinnvoll ist, daran gibt es Zweifel. Die Klage hat also das Ziel, einen gefährlichen Präzedenzfall zu verhindern. Die blinde Eilfertigkeit der Landesregierung Brandenburgs soll kein Vorbild für andere Investoren in Deutschland werden, die einen vorschnellen Start auf Grundlage dieses Falles fordern. Bis zum 05. März können in dem laufenden Verfahren noch Einwände gegen die Fabrik eingebracht werden, die anschließend erörtert werden sollen. Für das US-Unternehmen ist dies ein Wettlauf gegen die Zeit, denn in Deutschland darf von März bis Oktober aufgrund der Brutzeit nicht gerodet werden.

  • Bei dieser Ansiedlung schauen uns weltweit Industrieunternehmen und Investoren besonders zu.

    Wolfgang Steiger

    Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats
  • Unabhängig von der konkreten Rechtsprechung sehe ich mit Sorge, dass wir bei Großprojekten in Deutschland allzu oft auf die Bremse treten.

    Christian Lindner

    Bundesvorsitzender der FDP
  • Dieser Fall zeigt wieder ganz klar, dass das Genehmigungs- und Planungsprozedere in Deutschland völlig überbürokratisiert, zu langwierig und zu schwerfällig ist.

    Joachim Pfeiffer

    CDU im Bundestag
  • Die Antragsunterlagen für die Genehmigung müssen überzeugend darlegen, dass alle materiell-rechtlichen Umweltanforderungen eingehalten werden und ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt sichergestellt ist. Andernfalls ist das Projekt nicht genehmigungsfähig.

    Jörg Steinbach

    Wirtschaftsminister Brandenburg (SPD)
  • Wenn das Werk nicht kommt, wäre es ein Schaden für ganz Deutschland.

    Peter Altmaier

    Bundeswirtschaftsminister (CDU)

Tesla in Brandenburg - Fluch oder Segen?

Es ist eher ungewöhnlich, dass ausländische Autohersteller sich in Deutschland niederlassen. Ein entsprechender Ballungsraum findet sich beispielsweise in Osteuropa, weil die Produktion dort viel günstiger ist. Für Brandenburg und damit für Deutschland sprechen mit Sicherheit der vielversprechende Absatz. Deutschland steht vor einer Mobilitätswende, in der derzeit verstärkt auf Elektromobilität gesetzt wird. Als führender Hersteller in dieser Branche schafft Tesla eine Zweigstelle direkt am Absatzmarkt. Transportwege werden so für den europäischen Markt verkürzt. Brandenburg hat zudem genug grünen Strom. „Das passt gut zu den Ambitionen von Tesla“, meint etwa der Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, Gundolf Schülke.

Auch das Land profitiert von der Niederlassung Teslas. Brandenburg zeichnete sich zuletzt eher durch Industrieschwund aus, der Zugewinn eines solchen Unternehmens ist ein Segen für die Wirtschaft des Landes. Dementsprechend scheint die Landesregierung jedoch Anreize auf der anderen Seite schaffen zu wollen. Das Gebiet, auf dem die Fabrik entstehen soll, hat einen Bodenrichtwert von rund 40€ pro Quadratmeter. Der Kaufvertrag, den Tesla bereits mit dem Land Brandenburg unterschrieben hat, sieht einen Preis von rund 13,50€ pro Quadratmeter vor. Tesla erhält das Gebiet also für gerade einmal ein Drittel des tatsächlichen Bodenwertes.

Im Internet vermuten einige Nutzer die Munitionslast als möglichen Grund für den niedrigeren Kaufpreis. Infolge des Krieges scheint das von Tesla gekaufte Gebiet munitionsbelastet zu sein. Auf dem Gebiet werden nicht-explodierte US-Fliegerbomben vermutet. Doch sollte das tatsächlich der Grund für den Billigpreis des Geländes sein, hat Tesla gleich in doppelter Hinsicht ein Schnäppchen gemacht, denn die Entsorgung der Bomben müsste wohl der Bund zahlen.

Grund zur Freude bereitet die Giga-Fabrik auch hinsichtlich der Arbeitsplätze. Mehr als 10.000 neue Arbeitsplätze sollen durch den Bau der Fabrik entstehen. In Deutschland liegt der Tarifvertrag der IG Metall für die Fahrzeugbranche zugrunde. Tesla kündigte jedoch bereits an, übertariflich bezahlen zu wollen. Eine jüngst entdeckte Stellenanzeige für die neue Tesla-Fabrik sorgte jedoch für Zweifel: Das US-Unternehmen sucht offenbar auch polnische Arbeitskräfte. Die neue Fabrik liegt rund 60 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Wo die Sorge um die neu gewonnenen Arbeitsplätze wächst, beruhigt der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach: „Tesla braucht Tausende von Fachleuten. Dass wir das nicht allein aus der Brandenburger Substanz bewältigen können, liegt doch auf der Hand.“

Wie nachhaltig ist Tesla, wenn es Bäume abholzt, um Autos zu bauen?

Tesla baut E-Autos mit der Absicht, diese klimaneutral zu produzieren. Dafür setzt das Unternehmen nicht nur auf vorhandene Erneuerbare Energiequellen. Elon Musk, Chef des Unternehmens, baut neben den E-Autos der Marke Tesla auch Stromtankstellen, Batteriefarmen zur Speicherung von Strom und riesige Solarstromanlagen. Das Unternehmen Tesla verkörpert damit alle Aspekte der nachhaltigen Energie: Energie nachhaltig produzieren, Energie nachhaltig speichern und Energie nachhaltig verwerten. Abgesehen davon, das Elon Musk mit dem Unternehmen SpaceX gleichzeitig Raketen ins All schickt, scheint er bereits einige Nachhaltigkeitspunkte auf seinem Konto gesammelt zu haben.

Der Bau seiner Gigafactory in Brandenburg zieht jedoch einige Punkte von diesem Konto wieder ab, denn er erfordert die Rodung von insgesamt rund 150 Hektar Kiefernwald. Der Aufschrei der Umweltschützer war groß, doch befasst man sich einmal näher mit dem Thema, stolpert man über zwei Dinge.

Erstens: Es handelt sich um keinen natürlichen Wald!

Wald ist Wald. Hier wachsen Pflanzen und hier leben Tiere. Doch der Wald ist nicht etwa natürlich dort gewachsen, sondern wurde einst von Menschen aufgeforstet, um ihn – Achtung! – für die Herstellung von Kartons zu roden. Obwohl der Wald also ursprünglich geschaffen wurde, um ihn zu roden, gibt es nun Probleme, weil sich Tiere in diesem Wald angesiedelt haben. Tesla ist deshalb verpflichtet, einen sechs Kilometer langen Schutzzaun für Reptilien aufzustellen, und muss vier Nester von Waldameisen einsammeln und umsiedeln.

Zweitens: Das Gesetz sieht vor, dass jeder der in Brandenburg Wald roden will, mindestens eine gleich große Fläche aufforsten muss!

Tesla ist dazu verpflichtet, mindestens 154 Hektar Waldfläche aufzuforsten, damit es den Wald auf der Bebauungsfläche überhaupt roden darf. Da es jedoch schwierig ist, eine so große, zusammenhängende Fläche für die Aufforstung zu finden, sind derzeit 49 verschiedene Standorte für mehrere kleine Waldstücke im Gespräch. Hinzu kommt, dass viele Bäume, die für die Gigafactory gefällt werden sollen, in einem Wasserschutzgebiet liegen oder als ökologisch wertvolle Bestände gelten. Tesla ist deshalb zusätzlich verpflichtet, weitere 114 Hektar durch sogenannte Waldumbaumaßnahmen zu ersetzen, zum Beispiel indem Laubbäume in bestehende Kiefer-Monokulturen gepflanzt werden.

Bei dem Wald, den Tesla für den Bau der Gigafactory abholzt, handelt es sich um eine Kiefer-Monokultur. Das bedeutet, dass in diesem Wald ausschließlich Kiefern wachsen. Bei der verpflichtenden Aufforstung werden statt Kiefer-Monokulturen jedoch naturnahe Laub- und Mischwälder gepflanzt. Das sorgt langfristig für ein gesünderes Ökosystem und mehr Artenvielfalt. Der Bau der Gigafactory wird langfristig also mehr Wald schaffen, als durch die Rodung verloren geht. Bis die Waldflächen jedoch das derzeitige ökologische Potenzial erreicht haben, wird viel Zeit vergehen. Tesla hat deshalb versprochen, ein Areal zu bepflanzen, das dreimal so groß ist wie der Wald, der für die Gigafactory abgeholzt wird.

Der Bau der Gigafactory in Brandenburg scheint also vielversprechend. Die Versprechen, die Tesla hinsichtlich der neuen Fabrik gemacht hat, werden als Maßstab dienen und den Erfolg der Marke in Deutschland mitbestimmen.

Quellen: spiegel.de, statista.de, rbb24.de, tagesspiegel.de, sueddeutsche.de, teslamag.de, auto-motor-und-sport.de, zeit.de, tagesschau.de, focus.de

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