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Wird man als Mörder geboren?

Wird man als Mörder geboren?

Immer wieder liest man von Familiendramen, Mord und Totschlag. Und doch gehört – zumindest meiner Meinung nach – einiges dazu, einen anderen Menschen umbringen zu können. Doch der Psychologe David Buss fand in einer Studie für sein Buch „The murderer next door“ heraus, dass etwa 88% aller Menschen schon einmal Mordfantasien hatten. Kann jeder von uns zum Mörder werden?

Wird das Böse vererbt?

Untersucht man eine Raupe und wenig später den daraus entstandenen Schmetterling, so haben beide Tiere dieselbe DNA. Doch der Schmetterling liest andere Teile der DNA aus als die Raupe. Unser Körper liest die Reize aus der Umwelt aus und speichert entsprechende Informationen im Erbgut. Wird eine schwangere Frau geschlagen, angeschrien oder gerät in Stresssituationen, so schüttet sie Stresshormone aus. Diese Hormone erreichen auch das ungeborene Kind und wirken sich unmittelbar auf seine Entwicklung aus. Das Kind wird dann impulsiver und neigt in bestimmten Situationen gewaltsames Verhalten. Die Wissenschaft, die diese Art der Entwicklung von Mechanismen und Konsequenzen untersucht, nennt man Epigenetik. Sie setzt sich mit der Frage auseinander, welche Faktoren die Aktivität eines Gens und die Entwicklung einer Zelle beeinflussen und ob diese Veränderungen an nachfolgende Generationen vererbt werden. Noch vor unserer Geburt können wir also Veranlagungen vererbt bekommen, die für Gewalttäter typisch sind. Ob diese beim Heranwachsen tatsächlich zum Vorschein kommen, ist jedoch unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Kann man lernen, zu morden?

Vorbilder spielen eine besondere Rolle in der Entwicklung unseres Gewaltverhaltens. Blut beispielsweise kann schlimme Erinnerungen hervorrufen, an Schmerzen erinnern, einen Autounfall oder den Verlust einer geliebten Person. Blut kann aber auch positive Erinnerungen hervorrufen, an einen Triumph erinnern, eine erfolgreiche Jagd. Diese Veranlagung stammt noch aus Zeiten, in denen die Menschen noch Jagen mussten, um ihr Überleben zu sichern. Empfindet man Gewalt als lustvoll, führt dies zu einem rauschartigen Zustand, den man immer wieder herbeiführen möchte. Die Lust an Gewalt wird heutzutage normalerweise reguliert und etwa in Sportwettkämpfen ausgelebt. Um diese – in jedem von uns vorhandene – Veranlagung zu regulieren, muss man lernen, wie man damit korrekt umgehen muss. Dies geschieht in Lernprozessen, die man in der Psychologie als Modell-Lernen bezeichnet. Dabei imitiert man ein Vorbild und lernt durch positive Verstärkung wie Lob und Anerkennung, die Verknüpfungen im neuronalen Netz hervorrufen. So werden bestimmte Handlungen mit positiven Erfahrungen verknüpft. 

Je weniger Wertschätzung man im bisherigen Leben erhalten hat, desto eher neigt man dazu, sich einer Gruppe anzuschließen, in der man positiv aufgenommen wird. In sogenannten Akzeptanzprozessen versuchen die Mitglieder untereinander Akzente zu setzen, um Anerkennung zu erhalten. Neigen Gruppenmitglieder zu aggressivem Verhalten und trifft das innerhalb der Gruppe auf Anerkennung, geht dieses Verhalten auch auf andere Gruppenmitglieder über. Im neuronalen Netz bilden sich aufgrund der Anerkennung weitere positive Verknüpfungen. Das Gewissen tritt dabei in den Hintergrund. Verantwortung muss nicht länger allein getragen werden und kann auf die gesamte Gruppe delegiert werden. Die einzelnen Gruppenmitglieder stärken sich dabei gegenseitig den Rücken. Spaß an der Gewalt und die Verknüpfung mit positiven Erfahrungen, etwa durch die Ausschüttung von Adrenalin, versetzen die Gruppenmitglieder in einen Gewaltrausch. Vorbilder können also während der Kindheit und der weiteren Entwicklung dazu beitragen, dass man sich das Böse aneignet. Doch auch im Erwachsenenalter spielen Akzeptanz und Anerkennung eine große Rolle. Auf diese Art und Weise erklärt die Psychologie etwa die Radikalisierung von Menschen, etwa in rechtsextremen Gruppierungen.

Und obwohl die meisten Menschen behaupten würden, niemals morden zu können, liegt das Töten in der Natur des Menschen. Angefangen bei der Jagd unserer Nahrung in früheren Zeiten über – oft gar nicht ernst gemeinten – Mordgedanken bei Menschen, die uns verletzt oder verlassen haben bis hin zum Wunsch der Todesstrafe für Kinderschänder, begleitet uns das Töten. Seien wir einmal ehrlich: Die Bereitschaft, den Nachbarn zu ermorden, weil er abends zu laut Musik gehört hat, ist verschwindend gering im Vergleich zu der Bereitschaft, den Vergewaltiger des eigenen Kindes zu ermorden. Grund hierfür ist wiederum die gesellschaftliche Akzeptanz. Sexueller Missbrauch von Kindern wird gesellschaftlich nicht akzeptiert – die Akzeptanz für die Bestrafung oder gar die Tötung der Täter ist daher entsprechend höher.

Kränkung und Verletzung des Selbstwertgefühls95%
Habgier und persönliche Bereicherung80%
Rache65%
Eifersucht50%
Machtgier und Neid30%

Die fünf häufigsten Motive für Mord

Was macht Mord in unserem Gehirn?

Anders Breivik tötete 2011 fast 100 Menschen, ohne Reue für seine Tat zu empfinden. In der Neuropsychologie untersucht man den Zusammenhang zwischen den Hirnaktivitäten des neuronalen Systems und dem Verhalten. Mit bestimmten Gerätschaften ist es möglich, Hirnaktivitäten zu überwachen. In der präfrontalen Gehirnrinde gibt es Strukturen, die wie ein Aggressionswächter arbeiten und verhindern sollen, das bestimmte Reize weiterverarbeitet werden. Das Gehirn entscheidet hier, ob es sich um eine reale Bedrohung handelt. In manchen Fällen sind diese Funktionen jedoch abgeschaltet, sodass der Reiz ungehindert in weiter hinten liegende Hirnareale vordringen kann. Dann gelangen sie in den Hypothalamus. Er verbindet Nerven- und Hormonsystem. Er ist zuständig für die Entwicklung von Wut und Aggressionen. Faktoren wie Misshandlungen im Kindesalter können die präfrontale Gehirnrinde nachweislich und dauerhaft schädigen. In diesem Fall kann sich das gesamte Verhalten schlagartig verändern. Außerdem liegen im Gehirn sogenannte Spiegelneuronen, die es uns ermöglichen, die Emotionen von anderen Menschen zu spiegeln. Sie helfen uns, uns beispielsweise in das Leiden unseres Gegenüber hineinzuversetzen. Wir empfinden, was andere empfinden. Wissenschaftler vermuten darin den Grund, dass wir uns von einem Gähnen anstecken lassen, dass wir ohne nachzudenken zurück lächeln, wenn uns jemand anlächelt und sogar dass wir weinen, wenn wir einen traurigen Film schauen – wir empfinden mit. Bei Anders Breivik vermutet man eine Störung, die diese Fähigkeit außer Betrieb setzt, weshalb er bis heute kein Mitgefühl empfindet. Fehlfunktionen von Spiegelneutronen findet man besonders häufig bei Psychopathen. Zwar verstehen sie, was sie ihrem Opfer antun, dieser Gedanke löst jedoch keine Hemmungen bei ihnen aus.
Es ist also nicht allein die Vererbung sondern viel mehr ein Zusammenspiel aus Vererbung und Umwelt, das darüber entscheidet, wie gewaltbereit ein Mensch ist. Moral und Erziehung sind besonders wichtig, um diese Instinkte einzudämmen. Letztendlich liegt die Entscheidung, ob wir zu Gewalttätern werden, – ausgenommen von den Fällen, in denen eine Schädigung der entsprechenden Hirnareale vorliegt – immer noch bei uns.

Mörder haben viele Gesichter

Männer, die mit JA antworteten52%
Frauen, die mit JA antworteten35%

Können Sie sich vorstellen, einen anderen Menschen zu ermorden -
etwa zur Selbstverteidigung oder um das eigene Kind zu schützen?

Der unscheinbare Nachbar könnte Leichen im Keller haben, der Postbote könnte ein Kinderschänder sein und der freundliche Kassierer aus dem Supermarkt könnte einen rassistischen Anschlag vorbereiten. Mörder haben viele Gesichter. Es ist ganz unterschiedlich wie diese aussehen. Man erkennt sie oftmals nicht auf den ersten Blick, auch nicht auf den Zweiten. Aus heiterem Himmel begehen Menschen, denen man so etwas niemals zugetraut hätte, schwerste Straftaten, vergewaltigen Menschen, töten Kinder. Das Böse steckt in jedem von uns und wenn es ausbricht, kann es niemand aufhalten. Jeder kann zum Mörder werden. Genau einen solchen Menschen gilt es heute zu erschaffen.

Der März soll auf meinem Blog das Thema „Mord“ aufgreifen. Denn ich arbeite jetzt endlich daran, einen richtigen Krimi zu schreiben. Und auch, wenn ich dir noch nicht verraten kann, worum es geht, wird es einen Mörder oder eine Mörderin geben. Einen solchen Menschen gilt es zu erschaffen. Jemanden, der keine Skrupel hat. Der aus ganz unterschiedlichen Motiven tötet. Den Fortschritt dieses Projekts kannst du natürlich auf meinem Blog verfolgen.

Quelle: Nahlah Saimeh:  Jeder kann zum Mörder werden: Wahre Fälle einer forensischen Psychiaterin, zeit.de, focus.de, welt.de, spiegel.de, de.statista.com

Gesellschaft

Meine erfundene Wahrheit

„Fake News! Lügenpresse!“
Wenn jeder nur seine eigene Wahrheit glaubt und nie über den Tellerrand schaut, entsteht eine verblendete Ideologie…

Und dann soll noch einmal jemand sagen, wir hätten kein Naziproblem. Sie sind längst mitten unter uns.

Forschung und Technik

Gibt es das perfekte Verbrechen?

Manchmal sitze ich vor meinem Monitor und fange an, mich zu sorgen. Ich frage mich, ob Menschen Angst vor mir bekommen würden, wenn sie wüssten, wonach ich im Internet suche. Ich plane ein Verbrechen. Einen Mord. Vielleicht auch ein paar mehr.

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