Lara Dengs / pixelio.de

Homosexualität in der Öffentlichkeit

Homosexualität in der Öffentlichkeit - Some people are gay. Get over it.

»Schwuchtel«, »Homo« und »schwul« gehören in der heutigen Gesellschaft, der Zeit von Vielfalt, Souveränität und Freiheit, immer noch zu alltäglichen Beleidigungen und Beschimpfungen. Und das im 21. Jahrhundert. Warum das so ist? Es gibt viele Ursachen und Gründe für die den homosexuell orientieren Menschen gegenüber gebrachten Repressionen. Und diese gehen nicht nur von der gesellschaftlichen Ordnung aus, sondern auch von staatlicher Gewalt.

Homosexualität als Krankheit

»Ich bin schwul.« – Eine Aussage, die das Leben eines Jugendlichen von Grund auf auf den Kopf stellen kann. Und das fängt bei den Eltern und Verwandten an, geht über Freunde und Bekannte und kann sogar Auswirkungen auf das Verwenden sozialer Medien und Netzwerke haben.Toleranz und Akzeptanz sind hier die Stichwörter: Das grundlegende Problem bei der Diskriminierung ist, dass sich die Menschen nicht mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzen. Täten sie dies, verstünden sie auch die persönliche Situation eines sich selbst findenden Menschen – doch die Aufklärung fehlt. Und so kommen Äußerungen, wie »Homosexualität ist eine Krankheit!« zustande. Für die meisten ist es fremd, das gleiche Geschlecht zu lieben und daher abstoßend.Infolgedessen kommt es oft zu Ausgrenzung, Diskriminierung oder sogar körperlicher Gewalt. Besonders in Schulen – ganz gleich welcher Art – werden Homosexuelle zu Opfern von Mobbing-Attacken. Maßnahmen der Schulen, beispielsweise durch Sozialarbeiter oder das Einrichten eines Deeskalationstrainings sind oft erst nach Eigeninitiative des Betroffenen oder deren Freunde spürbar. Die Folgen dieses Handelns sind meistens schwerwiegend. Die sich ohnehin schon in einer schwierigen Phase befindenden Jugendlichen haben Selbstzweifel, Angst und finden bei vielen sozialen Gruppen keinen Anschluss mehr. Das Ende der Schulzeit ist allerdings nicht automatisch das Ende der Diskriminierung: Auch in der demokratischen und rechtsstaatlichen Republik Deutschland ist die sexuelle Orientierung nicht unerheblich. Ob es um ein Jobangebot geht, die Mitgliedschaft in einem Verein/einer Gruppe oder das Kennenlernen neuer Menschen, die sexuelle Orientierung eines Menschen scheint ausschlaggebend für die Reaktion der Umwelt zu sein.

In den letzten Jahren hat sich in Bezug auf den letzteren Satz viel geändert. Es gibt zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, die sich auf das Erkämpfen der Rechte für LGBTQI* (LesbianGayBiTransQueerInter*) spezifiziert haben.
ENOUGH IS ENOUGH“ ist eine sehr große Organisation, die sich aktiv, auch bei Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day oder dem Schwul-Lesbischen-Stadtfest, für die Rechte einsetzen. Warum das so ist? – LGBTQI’s sind in Deutschland in vielen Hinsichten gegenüber Heterosexuellen benachteiligt. Es gibt Spannungsverhältnisse im Adoptionsrecht oder bei der Heirat. Sie dürfen kein Blut spenden und können bei einer Zuwiderhandlung strafrechtlich verfolgt werden. 

In 15 Ländern der Welt droht Homosexuellen die Todesstrafe

Dennoch werden Homo- wie auch Transsexuelle in beinahe allen Ländern der Erde diskriminiert. Es ist das Abweichen von der vermeintlichen Norm – einer binären und heteronormativen Gesellschaft. Es ist das vermeintliche Anderssein, dass in vielen Staaten zu Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle führt.

Auch in Deutschland kommt es regelmäßig zu gewaltsamen Übergriffen auf homosexuelle Menschen in der Öffentlichkeit. Sie werden brutal verprügelt und zusammengeschlagen oder niedergestochen. In Artikel 3 des Grundgesetzes, unserer Verfassung, wird die Gleichberechtigung nuanciert. Jedoch ist sie in der Realität nicht angekommen. Jede staatliche Gewalt ist an Recht und Gesetz gebunden, so steht es im GG, trotz dessen verhalten sich Regierung, die Ämter und Behörden nicht entsprechend. In Wahrnehmung der Menschenrechte protestieren LGBTQI’s ihre Vielfalt und demonstrieren für die Rechte, die ihnen eigentlich von Natur aus zustehen sollten.

Während in Deutschland dieses Recht auf Gleichberechtigung noch nicht konkret für Homosexuelle angewendet wird, werden die Gesetze in anderen Staaten der Erde stetig verschärft. Länder verbieten Homosexualität, stellen homosexuelle Handlungen unter die Todesstrafe. Länder wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Somalia sind nur drei der insgesamt 15 Länder, in denen Schwule und Lesben etwa gesteinigt werden. Doch auch in Ländern wie Russland wird Homosexualität mit Gefängnisstrafen bestraft.

Wie Homosexuelle die Diskriminierung erleben

Ich habe mich deshalb einmal umgehört und habe mir Geschichten erzählen lassen, die wiederspiegeln, wie Homosexuelle Diskriminierung erleben und wie unsere Gesellschaft mit ihnen umgeht.

»Ich habe ihm gesagt, dass wir ein Paar sind.«

"Ich liebe es, normal zu leben, in der Öffentlichkeit wie jedes andere Pärchen auch die Hand zu halten, sich zu küssen, gemeinsam zu lachen. Aber Menschen verstehen Unbekanntes nicht. Ich war mit meinem Freund auf dem Weihnachtsmarkt und wollte ein Lebkuchenherz mit 'Ich liebe dich' kaufen. Ein älterer Mann sprach uns an und sagte: 'Ihr könnt doch nicht so rumlaufen, nachher denkt man noch, ihr wärt ein Paar.' Ich habe ihm dann gesagt, dass wir ein Paar sind. Wir wurden ganz fragend angesehen." 

Till

-

24 Jahre alt

»Ich will mich nicht ständig umgucken müssen.«

"Ich will mich nicht ständig umgucken müssen, ehe ich meinem Freund in der Öffentlichkeit einen Kuss geben kann. Doch vermeiden lässt es sich auch nicht. Wir können nicht so unbedenklich lieben wie Heterosexuelle. Und wenn einmal Sprüche kommen, weil ich mich anders kleide, hilft meistens nur weghören. An das Anecken in der Gesellschaft habe ich mich gewöhnt."

Kai

-

24 Jahre alt

»Sie haben überall erzählt, dass ich lesbisch bin.«

"Ein paar Typen haben eine Freundin von mir zunächst verbal angegriffen und sind irgendwann auf sie los, weil sie sich nicht unterkriegen lassen wollte. Als ich dazwischen gegangen bin, fragten sie mich, ob ich diese gottlose, familienentehrende Hure wirklich in Schutz nehmen wolle. Ich habe Courage gezeigt, musste aber damit leben, dass überall erzählt wurde, dass ich lesbisch bin."

Samantha

-

29 Jahre alt

»Als sie erfuhren, dass ich schwul bin, musste ich die Schule wechseln.«

"Aufgrund meines Aussehens war ich immer schon das Opfer in der Klasse. Dass ich schwul bin, habe ich immer versucht, zu verheimlichen. Eines Tages erwischte mich ein Klassenkamerad, als ich meinen damaligen Freund zum Abschied küsste. Er erzählte es in der gesamten Schule und sorgte dafür, dass ich ständig gemobbt wurde. Schließlich musste ich die Schule wechseln, um dem Mobbing zu entkommen."

Tobias

-

26 Jahre alt

»Seit meine Familie weiß, dass ich lesbisch bin, werde ich nicht mehr zu Familienfeiern eingeladen.«

"Als wird zum Geburtstag meines Vaters wie jedes Jahr mit der gesamten Familie nach Dänemark fuhren, wurde ich gefragt, ob ich keinen Mann mitbringen wolle, da alle ihren Partner mitbringen würden. Ich entschied mich dazu, meine Freundin mitzubringen. Meine Familie tat lässig, doch wir merkten, dass wir gemieden wurden. Seitdem werde ich nicht mehr zu Familienfeiern eingeladen und Gespräche zu diesem Thema werden ignoriert."

Jennifer

-

41 Jahre alt

»Sie haben meinen Freund krankenhausreif geschlagen.«

"Ein Wochenende waren mein Freund und ich feiern. Als wir etwas angetrunken nach Hause gingen, merkten wir, dass uns zwei Gestalten folgten. In einer ruhigeren Straße fingen sie an, uns zu beleidigen. Wir ignorierten die dummen Sprüche, doch irgendwann holten sie uns ein und begannen, auch uns einzuschlagen. Mein Freund musste genäht werden, ich kam mit blauen Flecken davon."

Ben

-

33 Jahre alt

Auch wenn diese Nachrichten verängstigend erscheinen, möchte ich dazu ermutigen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Es gibt ebenso tolerante und herzliche Menschen, die weltoffen sind und Homosexuelle für ihren Mut loben, der Heteronormativität zu trotzen. Es gibt Menschen, die nicht wegschauen, die helfen, Trost spenden und sich für die Gleichberechtigung aller einsetzen. Und ich finde: Das sollte unser Ziel sein.

Gesellschaft

Was feiert man eigentlich beim CSD?

m New York der 1960er gingen Polizisten regelmäßig gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle vor. 1969 lehnten sich Menschen erstmal gewaltsam gegen die Diskriminierung auf – der Christopher Street Day war geboren.

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *