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Corona-App: Kann uns eine App wirklich schützen?

Kann uns eine Corona-App wirklich schützen?

Sie scheint das Vorzeigeprojekt des Gesundheitsministers zu sein: Die Corona-App. Die Corona-Warn-App, die ursprünglich bereits Mitte April auf den Markt gebracht werden sollte, ist mit zwei Monaten Verspätung veröffentlicht worden. Dabei soll sie vor der Ausbreitung von Covid-19 schützen. 20 andere Staaten nutzen seit Mitte April bereits eine Corona-App. Und auch Jens Spahn möchte, dass die Corona-App zeitnah auf möglichst vielen Geräten installiert werden kann. Doch warum lässt die App in Deutschland so lange auf sich warten? Wird die App „zwangsinstalliert“? Und kann uns eine App wirklich vor dem Coronavirus schützen?

Wie soll die Corona-Warn-App funktionieren?

Die App arbeitet mit der Bluetooth-Funktion des Smartphones und funktioniert nur, wenn möglichst viele Menschen die App verwenden und auch ihre Bluetooth-Funktion angeschaltet haben. Dabei soll die App den „digitalen Handschlag“ zwischen Geräten anonymisiert dokumentieren. Mit Hilfe der Signalstärke ermittelt die App den Abstand zu anderen Geräten. Die Geräte tauschen zu diesem Zweck temporäre, verschlüsselte Identitäten aus.

Ein positives Covid-19-Testergebnis kann auf freiwilliger Basis in der App hinterlegt werden. Durch den Abgleich mit dem Server erkennt die App, wenn eine der verschlüsselten Identitäten, die als Kontakt von der App erkannt wurden, ein positives Testergebnis angibt. Die App kann dann darüber informieren, wenn Kontakt zu einer infizierten Person bestand. Sie teilt dann auch eine „Risikostufe für eine Infektion“ mit.

Android und iOS-Ansicht unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Eine wichtige Funktion war das betriebssystemübergreifende Funktionieren der App:

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Warum verspätete sich die deutsche Corona-App?

Eine App, die Daten mit anderen Geräten teilt, um mögliche Infektionsketten nachvollziehbar zu machen? Da klingeln sämtliche Alarmglocken bei Datenschützern. Die Art und Weise der Speicherung führte deshalb zu Problemen und lässt einen zentralen Ansatz, bei dem alle Daten auf einem zentralen Server gespeichert und verwaltet werden, platzen. Die App muss gleichermaßen auf allen Geräten funktionieren und und über Bluetooth Abstände zu anderen Geräten messen. In der Entwicklung der App sorgten diese Anforderungen für Schwierigkeiten, sodass sich die Veröffentlichung der App verzögerte. Seit dem 16. Juni 2020 ist sie nun aber endlich verfügbar und soll nun möglichst schnell auf möglichst vielen Geräten installiert werden.

Wird die Corona-Warn-App zwangsinstalliert?

Die Corona-Warn-App scheint der große Hoffnungsschimmer des Gesundheitsministers zu sein. Sie soll bei der Eingrenzung von Covid-19 helfen. Schnell entstand daher die Angst, die App könnte von der Bundesregierung zwangsinstalliert werden. Die Bundesregierung versichert jedoch: „Die Bundesregierung verfolgt bei der Entwicklung der Corona-Warn-App einen Ansatz, der auf Freiwilligkeit beruht“. Eine Zwangsinstallation findet also nicht statt. Die Grünen und die Linkspartei fordern darüber hinaus eine gesetzliche Regelung, die eben dies auch per Gesetz festhält. So soll sichergestellt werden, dass die App nur auf freiwilliger Basis und für einen bestimmten Zeitraum eingesetzt werden darf. So solle die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöht werden.

Kann uns eine App wirklich vor dem Coronavirus schützen?

Jaein. Die Corona-Warn-App kann uns nur begrenzt vor der Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen, denn sie funktioniert nur zuverlässig, wenn möglichst viele Menschen sie auf ihrem Gerät installiert haben. Auch dann warnt die App jedoch erst nachträglich, wenn Kontakt zu einer Person bestand, die positiv auf das Virus getestet wurde. Die Angabe des Testergebnisses ist weiterhin freiwillig. Kein Infizierter ist daher gezwungen, sein Ergebnis auch in der App anzugeben, sodass ein effizienter Schutz mithilfe der App nur dann gewährleistet werden kann, wenn alle Menschen mitwirken.

In Australien wurde eine entsprechende App von sechs Millionen Menschen heruntergeladen, was etwa einem Drittel der Smartphone-Besitzer entspricht. Da die App namens „COVIDsafe“ jedoch Verständigungsprobleme zwischen Android- und iOS-Geräten aufwies, konnte eine zuverlässige Benachrichtigung im Kontaktfall nicht immer stattfinden.

Schwierigkeiten wie diese sind die Ursache dafür, dass in Deutschland nicht einfach die App aus einem anderen Land übernommen wurde – auch wenn diese möglicherweise Funktionen bieten, die auch in Deutschland sinnvoll wären. In Singapur erfragt die App „Trace Together“ spontan Umgebungsfotos von Infizierten, um so zu überprüfen, ob sich an die häusliche Quarantäne gehalten wird. 

Die Corona-Warn-App kann uns also nicht vor einer Ansteckung schützen, da sie in der Regel erst nach dem Kontakt zu Betroffenen über eine mögliche Infektion informiert. Durch diesen Anhaltspunkt können jedoch auch „versteckte Infektionen“, also Infektionen ohne Krankheitssymptome, erkannt werden. So schützt die App vor einer Weitergabe des Virus und gibt der Bevölkerung Anhaltspunkte, wann ein Corona-Test wirklich sinnvoll ist, weil Kontakt zu einer infizierten Person bestand.

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