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Plastik in unseren Körpern

Plastik in unseren Körpern

Die Cornflakes sind im Karton zusätzlich in Plastik eingeschweißt, der Paprika-Mix in Plastik ist günstiger als drei lose Paprika und auch im Kühlregal findet sich kaum ein Produkt, das nicht in Plastik eingepackt ist. Wir haben ein Plastikproblem. Denn Plastik lässt sich nur über Jahrhunderte in der Natur abbauen und verschmutzt deshalb langfristig unsere Umwelt. Die Lösung des Recyclings klingt denkbar einfach – schließlich gilt Deutschland als Recycling-Weltmeister. Eigentlich sollte uns das freuen, schließlich muss irgendwas mit den 6 Millionen Tonnen Plastikmüll passieren, die wir allein in Deutschland im Jahr produzieren. Doch die bittere Wahrheit sieht anders aus. Denn während Altglas und Altpapier sehr gut recycelt werden können und deshalb den Schnitt unserer Recyclingquote deutlich nach oben reißen, können wir in Deutschland nicht einmal 40% des Plastikmülls wiederverwertet.

Wer im Internet andere – höhere – Zahlen findet, darf sich nicht täuschen lassen. Denn in offiziellen Recyclingquoten werden auch andere Wege der Verwertung einberechnet – so zum Beispiel die thermische Verwertung. Thermische Verwertung bedeutet: Der Müll wird verbrannt. Doch löst das unser Problem? Noch schockierender ist der dritte Weg, der oftmals in offiziellen Recyclingquoten einberechnet wird: Die Ausschiffung. Rund ein Prozent des deutschen Plastikmülls – also 60.000 Tonnen – werden in Länder wie Malaysia oder auf die Malediven verschifft. Hier entstehen jenseits der Tourismus-Hotspots riesige Deponien mit Müllbergen, die ganze Häuser begraben könnten. So verwundert es kaum, dass Plastik auch in die Umwelt und in die Meere gelangt. 

Plastik in unserem Alltag

Während große Plastikteile im Meer regelmäßig dazu führen, dass Tiere daran verenden, werden kleine Plastikteile etwa von Fischen aufgenommen. Diese Fische landen irgendwann im Netz und schließlich auf unseren Tellern, wo wir sie mit samt der aufgenommenen Plastikpartikel verspeisen. Es offenbart sich jedoch ein weiteres Problem mit Plastik in unserer Nahrung. Denn auch Nahrungsmittel, die nicht aktiv Plastikpartikel aufgenommen haben, können Bestandteile von Plastik enthalten. Die Rede ist von sogenannten Weichmachern, die in Plastikverpackungen verarbeitet werden. Wir finden sie beispielsweise in der Plastikverpackung von Käse und Wurst, in den Plastikfolien von Obst und Gemüse, in Plastikschalen von Mikrowellen-Gerichten, aber auch in Aufbewahrungsboxen aus Kunststoff, Plastikflaschen und Konservendosen.

Zu den bekanntesten Weichmacher gehören die Phtalate. Sie sind preisgünstig und vielseitig einsetzbar. Unter Abkürzungen wie DEHP (Diethylhexyl-Phtalat), DINP (Diisononyl-Phtalat) und BBP (Benzylbutyl-Phtalat) sind diese meist in Produktinformationen zu finden.
Ein weiterer prominenter Vertreter ist das BPA (Bisphenol A).

Wo sind Weichmacher drin?

Lebensmittelverpackungen, die gleichzeitig leicht, aber auch formbeständig sein sollen, enthalten meist Weichmacher. Doch auch Einschweißfolien, PET-Flaschen, Schraubdeckel von Gläsern, Frischhalteboxen, beschichtete Folien, Thermopapier für Kassenzettel und Zugtickets, Joghurtbecher, Lacke und Plastikbesteck enthalten derartige Weichmacher. Das Problem dieser Weichmacher ist, dass sie nicht stoffgebunden sind und deshalb vom Kunststoff abgegeben werden können. Wärme und Reibung begünstigen diesen Prozess.
Weichmacher finden wir jedoch auch PVC-Fußböden, Kabeln, Deos und Parfum.

Phtalate, die wir etwa über unsere Nahrung schädigen die Fortpflanzungsfähigkeit und können bei ungeborenen Kindern im Mutterleib sogar zu Entwicklungsstörungen führen. Andere Weichmacher können das Hormonsystem stören oder sogar zu Leberschäden führen. Die Weichmacher, die wir über die Nahrung zu uns nehmen, sind laut Umweltbundesamt jedoch so gering konzentriert, dass von ihnen für einen erwachsenen Menschen keine gesundheitliche Gefahr ausgeht. Kleinkinder nehmen jedoch zusätzlich Weichmacher zu sich, da sie oft Plastik – zum Beispiel in Spielzeugen – in den Mund nehmen. Bei 1,5% der Kinder könne das Umweltbundesamt eine gesundheitliche Schädigung durch Weichmacher nicht ausschließen.

Ob Weichmacher in einem Produkt sind, lässt sich beispielsweise mit der App Scan4Chem herausfinden. Diese wurde vom Umweltbundesamt herausgegeben. Das Scannen des Barcodes sendet eine Anfrage, sodass man auf diesem Weg Informationen über den Inhalt von Weichmachern enthält. Obwohl einige Weichmacher in Deutschland bereits verboten wurden, ist die Gefahr noch längst nicht gebannt. Hersteller wechseln einfach zu Alternativen Weichmachern, sodass das Problem nur verschoben, nicht jedoch gelöst wurde.

Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Auch Mikroplastik begegnet uns überall in unserem Alltag. Es ist in unserem Wasser, in der Luft und unseren Böden. Hauptquelle Nummer Eins sind unsere Textilien. Kunststofffassern werden in der Waschmaschine zum Teil aus der Kleidung herausgespült. Sie sind oftmals zu fein, um von der Waschmaschine gefiltert zu werden.

Diese mikroskopisch kleinen Plastikpartikel gelangen über das Abwasser in die Kläranlagen und über den Klärschlamm beispielsweise mit der Düngung auf unseren Feldern. Dort werden sie in den Boden eingetragen und mit Regen und Wasser auch in das Grundwasser und die Flüsse und Meere geschwämmt. Bei einer Studie von Forschern aus Manchester fanden diese heraus, dass in Flüssen zum Teil mehr Mikroplastik als Fischlarven schwimmen.

Doch auch der Plastikmüll wird zum Problem. Achtlos weggeschmissene Plastikverpackungen gelangen in die Meere. Sie altern und zerfallen und setzen so kleinste Partikel frei – Mikroplastik. Dieses kann nicht nur durch Wasser, sondern auch durch den Wind, über weite Strecken verteilt werden. Mikroplastik konnte bereits in einigen Fischarten nachgewiesen werden und kann so über den Verzehr von Fisch auch in den menschlichen Körper gelangen. In Magen und Darm könnte Mikroplastik zu schweren Entzündungen führen oder sogar Krebs begünstigen.

Wir sind in dieser Hinsicht noch sorgloser – denn wir stecken uns Mikroplastik zum Teil freiwillig in den Mund. Einige Zahncremes enthalten winzige Partikel, die einen schleifenden Effekt aufweisen sollen: Mikroplastik. Schnell ist es geschehen und die winzigen Partikel gelangen in unseren Verdauungsapparat, wo sie schwere Schäden anrichten können. Auch in anderen Kosmetikprodukten ist Mikroplastik enthalten. Beim Auftragen auf die Haut kann uns dieses jedoch nach Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikoeinschätzung nicht schaden. Befindet sich das Mikroplastik jedoch auf unserer Haut, spülen wir es in der Regel irgendwann mit Wasser wieder ab. Das Mikroplastik gelangt ins Wasser, auf die Felder, in die Meere, die Fische und über diese schließlich in unseren Körper. Fakt ist jedoch auch: Mikroplastik und seine Auswirkung auf den Körper sind noch nicht vollständig erforscht. Wir sollten jedoch auch ohne weitere Studien im Hinterkopf haben, dass Plastik uns und unserer Umwelt schadet.

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