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Corona und der Klimawandel

Corona und der Klimawandel - Legt das Coronavirus den Klimaschutz auf Eis?

Das Coronavirus beschäftigt uns bereits das ganze Jahr. Wir haben Schutzmaßnahmen ergriffen, Lockerungen erlebt und erhalten im Ticker jeden Tag die aktuellen Infektionszahlen, die zuletzt wieder stark anstiegen. Noch im letzten Jahr war die Klimaschutzbewegung #FridaysForFuture das Top-Thema in Deutschland, es wurde ein (mangelhaftes) Klimschutzpaket verabschiedet und die GRÜNEN erfreuten sich in den Umfragen an einem hohen Zuspruch, die ihnen die Möglichkeit zur Regierungsbildung eingeräumt hätte.

Doch seit der Coronakrise scheint der Klimaschutz in den Hintergrund zu rücken. Das hervorragende Krisenmanagement der Bundesregierung hat für erneuten Zuwachs für die Union in den Umfrageergebnissen geführt. Aktuelle Umfragen sehen die Union bei einem besseren Wert, als sie noch bei der Bundestagswahl 2017 eingefahren hatte. Zwar sind auch die GRÜNEN über dem Ergebnis von 2017, mit 19% (nach FORSA vom 22.08.2020) stehen sie jedoch weit hinter der Union. Fallen andere wichtige Themen wie der Klimaschutz während der Coronakrise hinten über?

Wie wichtig ist der Klimawandel noch?

Corona hat den Klimawandel nicht beendet – auch wenn sich durch die Pandemie einiges in diesem Punkt getan hat. Der Fokus – insbesondere der Fokus von Politik und Medien – hat sich jedoch geändert. Während viele den Klimawandel offenbar als Problem von Morgen ansehen, bedroht das Coronavirus uns unmittelbar. Das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen, ist deshalb derzeit das wichtigste Ziel in der Politik. Das ist nicht nur in Deutschland so.

Angesichts der fortlaufenden Gefährdungssituation durch das Coronavirus musste auch im EU-Parlament neu über die Verteilung der Gelder beraten werden. Da Wirtschaft und Industrie vieler Länder durch die Krise geschwächt worden sind, wurde die Haushaltsplanung im EU-Parlament mit dem Schwerpunkt „Wiederaufbau nach der Coronakrise“ beschlossen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bewerten die Corona-Wiederaufbaufonds als Rückschlag für das Klima. Gelder, die in den Klimaschutz hätten fließen sollen, wurden nun für den Wiederaufbaufonds freigegeben.

»Tage und Nächte ist um verschiedene Fragen gerungen worden. Nur ausgerechnet für das Thema, das die zentrale Herausforderung dieses Jahrhunderts ist, hat niemand so richtig gekämpft. Man hätte die Chance gehabt, Corona-Hilfen mit Zukunftsinvestitionen und einem wirklichen Strukturwandel zu einer nachhaltigen und grünen Wirtschaft zu kombinieren. Diese 1,8-Billionen-Euro-Chance hat man leider vergeben. Die vorgesehenen Ziele für Umwelt und Klimaschutz in diesem Kompromiss sind zu schwach und werden nicht ausreichen, um Erderhitzung und Artensterben effektiv zu bekämpfen.«

Sascha Müller-Kraenner

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Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens IPSOS zufolge war der Klimawandel im Jahr 2019 die viertgrößte Angst der Deutschen. Zwar bewerteten die Befragten den Klimawandel als drängendstes Problem der Gesellschaft, die Angst vor den Folgen des Klimawandels hielt sich jedoch in Grenzen. Inzwischen nennen laut FORSA-Umfrage nur noch 10% der Befragten den Klimawandel als größtes Problem. Das größte Problem ist die Corona-Pandemie geworden. 60% der Teilnehmer sehen Corona derzeit als größte gesellschaftliche Herausforderung. 44% fürchten insbesondere die wirtschaftlichen Auswirkungen und fürchten um ihren Job oder die finanzielle Sicherheit.

Corona wirkt sich nicht nur negativ auf den Klimaschutz aus!

Die weltweite Verbreitung des Coronavirus hat das öffentliche Leben vielerorts nahezu lahmgelegt. Das hat sich auch auf den internationalen Luftverkehr ausgewirkt. Da viele Flüge storniert wurden oder ausfielen, gab es viel weniger Linienflüge und infolgedessen deutlich weniger Luftverschmutzung. Auch durch das Arbeiten aus dem Homeoffice konnte der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor reduziert werden, weil weniger Fahrzeuge auf dem Weg zur Arbeit unterwegs waren. Die Luft- und auch die Wasserqualität hat sich vielerorts als Folge dessen verbessert.

Der sogenannte Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day), der angibt, an welchem Tag die Menschheit alle Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde für ein Jahr bieten kann, konnte aufgrund der weitgehenden Beschränkungen weltweit rund drei Wochen später als noch im letzten Jahr datiert werden. Seit 1971 übersteigt der jährliche Verbrauch der Menschen die natürliche Biokapazität der Erde. Seitdem wandert der Welterschöpfungstag von Jahr zu Jahr weiter nach vorn, weil die Menschheit immer mehr der endlichen Ressourcen verbraucht.

Der Earth Overshoot Day über die Jahre...

Der jährliche Verbrauch übersteigt erstmals die global zur Verfügung stegenden Ressourcen.

Bei diesem Lebensstil bräuchten wir 1,01 Erden.

21. Dezember 1971

Wir bräuchten 1,29 Erden, wenn wir unseren Lebensstil beibehalten würden.

07. Dezember 1990

Wir bräuchten 1,37 Erden, wenn wir unseren Lebensstil beibehalten würden.

01. November 2000

Wir bräuchten 1,54 Erden, wenn wir unseren Lebensstil beibehalten würden.

20. Oktober 2005

Wir bräuchten 1,66 Erden, wenn wir unseren Lebensstil beibehalten würden.

21. August 2010

Wir bräuchten 1,5 Erden, wenn wir unseren Lebensstil beibehalten würden.

22. August 2020

Die coronabedingte Weltwirtschaftskrise hat somit dazu geführt, dass sich der Welterschöpfungstag um drei Wochen nach hinten verschiebt – im Vergleich zum Vorjahr. Noch immer benötigen wir viel zu viele Ressourcen und leben nicht nachhaltig genug, um den Klimawandel auszubremsen. Zusammen mit den finanziellen Einkürzungen in Klimaschutzbudgets zugunsten des Corona-Wiederaufbau könnte der Klimaschutz langfristig gesehen also extrem unter Corona leiden – und somit schließlich auch wir.

Quellen: tagesspiegel.de, statista.de, dw.com, duh.de

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