Free-Photos / pixabay.com

Überfischung

Was, wenn wir das Meer leerfischen?

Das Fischereihandwerk ist eines der ältesten Handwerke der Welt. Schon früh haben die Menschen mit unterschiedlichen Werkzeugen und Geräten Fische aus dem Wasser gezogen. Auch in Deutschland spielt die Fischerei an den Flüssen und vor allem der Meeresküste im Norden eine große Rolle. Im Schnitt isst jeder Deutsche 13,7 Kilogramm Fisch oder Fischereierzeugnisse im Jahr. Nicht einmal ein Drittel dieser Menge kann die deutsche Fischerei abdecken, sodass wir zusätzlich Fisch und Fischereierzeugnisse importieren müssen. Im weltweiten Mittel sind es sogar rund 20 Kilogramm Fisch pro Kopf im Jahr.

Noch vor 50 Jahren haben wir knapp die Hälfte an Fisch im Jahr gegessen. Das hängt nicht nur mit anderen Fangmethoden, sondern insbesondere auch mit dem Preis zusammen, für den Fisch verkauft wird: Die aufwändigeren Fangmethoden mit weniger Ertrag führten zu höheren Preisen, wurden inzwischen aber durch moderne und ergiebige Fangmethoden abgelöst. Während man noch vor 50 Jahren davon ausging, dass der Reichtum der Meere unerschöpflich sei, scheint inzwischen eine Obergrenze erreicht zu sein: Die Meere sind überfischt.

 

  • »Das große Problem ist […], dass bestehende Regeln nicht eingehalten werden.«

    Thilo Maack

    Meeresbiologe bei Greenpeace
  • »Die Überfischung ist das größte Problem der Weltmeere. […] Wir sollten den Beständen Zeit geben, sich zu erholen.«

    Daniel Pauley

    Fischereibiologe

Die heutige Fischerei

Ob Hochsee-, Binnenfischerei oder das küstennahe Fischen – die Geschichte der Fischerei in Deutschland ist lang und die Fischkutter prägen das Bild der norddeutschen Landschaft. Obwohl mehr als 45.000 Deutsche in der Fischerei arbeiten, gehört die deutsche Fangflotte zu den zehn kleinsten in der Europäischen Union. Weniger als zehn Fahrzeuge der Flotte gehören zu den Fabrikschiffen, die auf hoher See fischen. Die Küstenfischerei ist in Deutschland deutlich stärker vertreten, auch weil Deutschland kaum zugehörige Hochseegebiete aufweisen kann.

Stehendes Fanggerät

Stellnetze, Reusen, Großreusen, Fängkörbe und Langleinen zählen zu den stehenden Fanggeräten. Sie finden ihren Einsatz meist in der Küstenfischerei und werden im Wasser ausgesetzt und nach einer gewissen Zeit wieder eingeholt. Rechteckige Flaggen kennzeichnen ausliegende Fanggeräte für den Schiffsverkehr.

Stehendes Fanggerät ist oftmals besser für das Ökosystem, da kaum Lebensraum zerstört wird und der Beifang meist geringer ausfällt. Reusen werden beispielsweise überwiegend zum Fang von Aalen verwendet.

Geschlepptes Fanggerät

Grundschleppnetze, Baumkurren, Freiwasserschleppnetze und Ringwaden gehören zu den aktiven Fangmethoden. Hier fahren große Fabrikschiffe aus, um aktiv Fische zu fangen. Das Schleppnetz wird während der Fahrt durch das Wasser oder über den Grund gezogen, um Fische in der Fahrtströmung in das Netz zu treiben, und die Ringwade wird offen ins Wasser geworfen und dann nach oben zulaufend herausgezogen. Grundschleppnetze zerstören dabei nicht nur die Riffe und das Ökosystem Meeresboden, sie fangen auch Jungfische und Nichtzielarten. Diese werden – ungeachtet von ihrem Zustand – einfach wieder ins Meer geworfen.

Jedes Jahr werden rund 80 Millionen Tonnen Fisch aus den Meeren gezogen. Schon jetzt sind 50% alles Fischbestände vollständig ausgeschöpft. 25% sind bereits überfischt oder gar zusammengebrochen.
macrovector / freepik.com - editiert

Das Problem mit dem Beifang

Der kommerzielle und industrielle Fischfang ist auf Masse ausgelegt. Der sogenannte Beifang ist dabei ein Problem, das billigend in Kauf genommen wird. Als Beifang bezeichnet man Nichtzielarten, also Arten, die versehentlich oder unerwünscht gefangen wurden. Wird beispielsweise Thunfisch gefangen, können beispielsweise Delfine als Beifang im Netz landen. Je nach Fangart kann es vorkommen, dass die Tiere verletzt oder gar tot sind. Um an Bord des Fangschiffes keinen Platz wegzunehmen, wird der Beifang daher häufig ins Meer zurückgeworfen.

In der Europäischen Union werden 20 bis 60 Prozent des Gesamtfangs wieder ins Meer zurückgeworfen – abhängig vom Fanggebiet und dem benutzten Fanggerät. Eine Studie des WWF schätzt den weltweiten Beifang auf etwa 30 Millionen Tonnen. Das sind etwa 40% der Gesamtfangmasse des Meeres. 300.000 Seevögel sterben jährlich an den beköderten Haken der Langleinenfischerei, weil sie diese verschlucken. Noch einmal genauso viele Wale und Delfine verfangen sich in den Netzen und ertrinken infolgedessen.

Besonders hoch ist der Beifang in der Garnelen- und Krabbenfischerei. Hierbei werden oft engmaschige Grundschleppnetze verwendet, sodass andere Tiere nicht entkommen können. Oft landet hierbei zehn Mal mehr Beifang in den Netzen als Garnelen. Bei Grundschleppnetzen ist der Beifang oft besonders hoch. Sie werden über den Grund gezogen, sodass viele wirbellose Tiere als Beifang im Netz landen. Sie werden beispielsweise bei lebenden Plattfischen wie Scholle, Flunder, Steinbutt oder Seezunge verwendet..

Doch warum wird der Beifang oft zurückgeworfen und nicht ebenfalls verwertet? Nicht selten werden Tiere gefangen, die keinen Marktwert haben – zum beispiel wirbellose Tiere oder Meeressäugetiere. Diese können von der Fischereiindustrie nicht verwertet werden und werden deshalb zurück ins Meer geworfen. Bringen gewisse Fischarten mehr Profit als andere, wird oftmals nach Größe und Qualität entschieden. Die Fischer werfen dann Tiere zurück, um den Lagerraum für größere Exemplare und Arten mit einem höheren Verkaufspreis freizuhalten.

Auch gewisse Gesetze der EU machen den Rückwurf erforderlich. EU-Gesetze sehen vor, dass Fische eine gewisse Größe erreicht haben müssen, um an Land gebracht werden zu dürfen. Haben sie diese Größe nicht erreicht, erfordern die Gesetze es, die Fische wieder ins Meer zu werfen.

Wie können Beifang und Rückwürfe verringert werden?

Die Anzahl an Beifang reduziert sich automatisch, wenn weniger gefischt wird. Insbesondere auf Arten, die eine hohe Beifangrate haben (besonders kleine Arten wie Garnelen oder am Grund lebende Arten wie Plattfische), sollten Verbraucher verzichten. Auch auf gesetzlicher Ebene müsste sich was tun. Eine Anlandepflicht würde den Rückwurf von gefangenen Arten verbieten und dazu führen, dass alle Fische, die gefangen wurden, auch an Land gebracht werden müssen. Ein solches Rückwurfverbot gibt es bereits in Norwegen – ob das jedoch das Problem der Überfischung lösen könnte, ist zweifelhaft, denn der Fisch ist dennoch gefangen.

Innovationen können den Beifang sehr effektiv reduzieren. Die Umweltschutzorganisation WWF veranstaltet jedes Jahr den Wettbewerb Smart Gear, bei dem Erfindungen gesucht werden, um Beifang effektiv zu vermeiden. Durch entsprechende Innovationen könnten etwa Seevögel von Langleinen ferngehalten oder Haie und Rochen von Netzen verscheucht werden. Entsprechende Möglichkeiten müssen jedoch erst noch erfunden und erprobt werden. Zuletzt bleibt die Veränderung also in den Händen der Konsumenten, die mit ihrer Nachfrage einen wesentlichen Einfluss auf das Angebot ausüben.

Quellen: wwf, greenpeace, zeit.de, focus.de, bund.net

Gesellschaft

Plastik in den Meeren

Plastik wird zum weltweiten Problem. Es schwimmt in unseren Meeren, verschmutzt die Umwelt und tötet Tiere. Woher kommt unser Plastikproblem?

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *