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Warum die afrikanische Schweinepest auch für uns gefährlich werden könnte

Warum die afrikanische Schweinepest auch für uns gefährlich werden könnte

Auch in Deutschland wurde nun ein erster Fall der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wildschwein nachgewiesen. Die Seuchenkrankheit, die ursprünglich aus Afrika stammt, grassiert bereits seit einiger Zeit in Osteuropa. Deutschland hatte sich anfangs mit der Errichtung eines provisorischen Zauns an der Grenze gegen die Einwanderung infizierter Tiere schützen wollen, hat in der vergangenen Woche jedoch einen Wildschweinkadaver gefunden, bei dem die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen werden konnte. Kann die Afrikanische Schweinepest auch zur Gefahr für die Menschen werden?

Gibt es gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen?

Die Afrikanische Schweinepest (african swine fever) ist eine Viruserkrankung, die insbesondere in Afrika von der dort lebenden Lederzecke übertragen wird. Es handelt sich dabei um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die Haus- und Wildschweine befallen kann. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner betonte jedoch, dass das Virus keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstelle. Das Bundesforschungsinstitut  für Tiergesundheit führte hierzu aus, dass die Afrikanische Schweinepest keine Zoonose sei und eine Übertragung von Tier zu Mensch somit ausgeschlossen werden kann. Darüber hinaus könne auch eine Gefahr beim Verzehr von gegebenenfalls kontaminierten Fleisch ausgeschlossen werden. Während die Afrikanische Schweinepest somit für den Menschen in gesundheitlicher Hinsicht unbedenklich ist, ist sie für Schweine in jedem Fall tödlich.

Wie groß ist die Gefahr für die Tiere in Deutschland?

Obwohl sich die Zahl der Hausschweine in Deutschland zuletzt rückläufig entwickelte, gibt es 2020 noch rund 25,4 Millionen Schweine in landwirtschaftlichen Betrieben. Der Geschäftsführer der deutschen Wildtierstiftung Hilmar Freiherr von Münchhausen sagte in einem Interview mit der ZEIT über die Anzahl der Wildschweine in Deutschland: „Wildtiere zu zählen, ist sehr schwer. Wir wissen nicht, wie viele Wildschweine in Deutschland leben.

Ein Indikator für den Bestand von Wildtieren die Zahl der auf der Jagd erlegten Tiere. Waren es in der Jagdsaison 2016/2017 noch rund 590.000 erlegte Wildschweine, wurden in der Saison 2017/2018 knapp 837.000 Wildschweine erlegt.

Während früher insbesondere der Norden, der Osten Deutschlands sowie die Wälder der Mittelgebirge als Heimat der Wildschweine galten, sind die Bestände inzwischen auch in Bayern und Baden-Württemberg stark gestiegen. 

Quelle: FAO/ASFORCE, Mai 2015, zitiert nach Friedrich-Löffler-Institut (2017): Qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus Verbreitungsgebieten in Europa nach Deutschland

Dementsprechend schwierig ist es auch, Infektionsketten zwischen Wildtieren nachzuvollziehen. Um die Gefahr einer Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu minimieren, regelt die Tierseuchenallgemeinverfügung des Landkreises Spree-Neiße, in dem das infizierte Tier verendete, das weitere Vorgehen in der Region.

Wie wird eine Ausbreitung der Seuche verhindert?

In einem Radius von drei Kilometern um den Fundort wurde ein Hochrisikogebiet ausgerufen. Das Gebiet wird mit einem Elektrozaun abgesperrt und es gilt ein Betretungs- und Ernteverbot. Eine zweite Zone wurde mit einem Umkreis von 15 Kilometern errichtet. In dieser Zone sind Schweinetransporte und Freilandhaltung bis auf Weiteres untersagt. Grünfutter und Einstreu aus der Region dürfen nicht länger verwendet werden. In der dritten Zone, die in einem Umkreis von 30 Kilometern um dem Fundort errichtet wurde, dürfen Schweine nur noch national transportiert werden.

Für das gefährdete Gebiet (Kernzone und Zone 1) gelten zudem folgende Einschränkungen:

  • Jagdgebot für alle Tierarten
  • verstärkte Fallwildsuche
  • verendete Wildschweine müssen unter Angabe der Koordinaten dem Veterinäramt gemeldet werden
  • Hunde und Gegenstände (auch Fahrzeuge), die bei Maßnahmen der Seuchenbekämpfung verwendet werden, müssen mit gereinigt und mit einem gegen das ASP-Virus wirksamen Desinfektionsmittel behandelt werden
  • Leinenzwang für alle Hunde
  • Nutzungsverbot der land- und forstwirtschaftlichen Flächen
  • Verbot von Veranstaltungen mit Schweinen
Um eine Einfuhr von möglicherweise kontaminierten Fleisch zu verhindern, haben zahlreiche Länder bereits den Import von Schweinefleisch aus Deutschland gestoppt. Die Volksrepublik China, die der größte Importeur von deutschem Schweinefleisch außerhalb der EU ist, hat ebenso wie Südkorea den Import unterbrochen. 

Gibt es wirtschaftliche Auswirkungen in Deutschland?

Allein im November 2019 hatte Deutschland 53.000 Tonnen Schweinefleisch nach China exportiert. Damit bricht der wichtigste Exportmarkt für deutsches Schweinefleisch vorübergehend weg. Der deutschen Wirtschaft fehlen allein durch den Export von Schweinefleisch nach China nun etwa 160 Millionen Euro pro Monat. Der Preis für ein Kilo Schweinefleisch fiel daraufhin auf 1,27€ wie die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch mitteilte.

Dumpingpreise waren schon zuvor ein Problem in der deutschen Fleischwirtschaft. Von den geringen Beträgen, die im Supermarkt noch für ein Kilogramm Fleisch bezahlt werden, erhalten Bauern nun immer weniger. Insbesondere kleinere landwirtschaftliche Betriebe fürchten deshalb nun wirtschaftliche Auswirkungen der Schweinepest. Ein hohes Angebot und die sinkende Nachfrage werden die Preise weiter in den Keller treiben. China und Südkorea kündigten bereits an, den Import-Stop erst wieder aufzuheben, wenn Deutschland sechs Monate lang ohne bestätigten Seuchenfall ist. Das könnte sich noch in verzögern, denn heute wurden weitere Fälle aus Brandenburg bestätigt. Die wirtschaftlichen Folgen der Afrikanischen Schweinepest sind also noch nicht absehbar – bedrohen aber Existenzen und können somit am Ende doch zur Gefahr für den Menschen werden.

Quellen: zeit.de, fli.de, bmel.de, lr-online.de, ndr.de, agrarpower.de, de.statista.com, spiegel.de

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