Holgi / pixabay.com

Das N-Wort

Das N-Wort

Wenn „N-Wort“ auf Twitter trendet, dann ist das einmal mehr ein Zeichen dafür, dass wir ein Problem in unserer Gesellschaft haben. Klar, auch ich bin mit dem Lied „Zehn kleine Negerlein“ aufgewachsen und habe „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ gespielt. Doch hätte mir damals jemand gesagt, dass er sich dadurch beleidigt fühlt, hätte ich das überdacht. Und genau hier liegt das Problem: Diese Reflexionsgabe, diese Rücksicht, fehlt vielen Menschen heutzutage. Wenn auf Twitter jemand schreibt, dass er sich durch das „N-Wort“ diskriminiert fühle, beweist es mangelnde Empathie und Intellekt, diesen Tweet mit „Neger“ zu kommentieren. Viel mehr noch: Das ist beleidigend – aus dem einfachen Grund, dass sich Menschen dadurch beleidigt fühlen.

Zur Wortherkunft

Das N-Wort ist ein im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingeführter Begriff, der aus den romanischen Sprachen entlehnt wurde. Im Französischen nègre, im Spanischen negro, im Lateinischen niger bedeutet das Wort letztendlich: schwarz. Der Begriff kam jedoch in Verbindung mit der Rassentrennung, der Sklaverei und dem Kolonialismus auf und meinte die in der Rassentheorie die sogenannte „negride Rasse“. Die Rassentheorie lag auch dem Nationalsozialismus zugrunde, wo Menschen etwa aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert und in Konzentrationslager deportiert wurden.

Das Wort „Neger“ und auch die aus den USA zu uns gelangte Form „Nigger“ gelten heute als abwertend und rassistisch diskriminierend. 

Rassismus fängt im Kopf an

Die Flüchtlingskrise, die eine scheinbar unkontrollierte Zuwanderung von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zur Folge hat, die zunehmenden Kriminalfälle, die in Zusammenhang mit Flüchtlingsunterkünften und Asylbewerbern laut werden, und die wachsende Angst vor Terroranschlägen durch Terrororganisationen wie den Islamischen Staat spitzen die Lage in Deutschland extrem zu. Und auch in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern der Welt nimmt die Feindseligkeit gegenüber Muslimen stark zu. Pegida in Deutschland, Donald Trump in den Staaten – aufgrund der Terroranschläge durch den Islamischen Staat ist alle Gastfreundschaft und Weltoffenheit längst der Angst gewichen.

Der Schatten, der sich in diesen Zeiten über den Islam legt, unsere Ängste schürt und für Rassismus und Fremdenhass in unserer Gesellschaft führt, ist etwas, wofür die Muslime am allerwenigsten können. Es wäre falsch, alle Muslime über einen Kamm zu scheren, doch genau das passiert aktuell und genau das spaltet unsere Gesellschaft. Warum sollten wir uns vor sexuellen Übergriffen durch Ausländer fürchten, wenn es wir Deutschen sind, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden? Ohne Frage – was in der Silvesternacht in Köln passiert ist, ist jenseits von Gut und Böse und sollte viel härter geahndet werden, als die Bundesrepublik es handhaben wird.

Der Spiegel beschreibt den Vorfall der Silvesternacht in Köln als „kolossales Versagen der Polizei“. Doch abgesehen davon, dass sexuelle Verbrechen in Deutschland rückständig bestraft werden, ist der Vorfall in Köln viel mehr. Er ist das Salz in der Wunde, das Benzin in den Flammen. Fallen Ausländer wie in der Silvesternacht negativ auf, nehmen nicht nur Rechtsradikale dies als Anlass, zu reagieren. Die Medien reden von „einer neuen Welle rassistischer Gewalt“, ein Rachefeldzug gegen die Ausländer. So sollen am Wochenende Hooligans, Rechtsextreme und Co in Köln Menschen angegriffen haben, die sie für Ausländer hielten. Während Bundesjustizminister Maas vor „pauschaler Hetze gegen Ausländer“ warnt, beklagen sich Muslime über eine „neue Dimension des Hasses“.

Rassismus entsteht in der Absicht, ein hierarchisches System zu erschaffen, die Gesellschaft zu ordnen und zu unterscheiden. Während ein Teil des Systems abgewertet und benachteiligt wird, profitiert ein anderer davon und sichert so seine Privilegien. Rassismus ist also das Produkt einer Gruppenbildung innerhalb der Gesellschaft, die durch ein Vorurteil oder eine Zuschreibung abgewertet und hierarchisch untergeordnet wird.

Wir unterscheiden also zunächst zwischen „Wir“ und „Andere“ und blenden dabei Unterschiede innerhalb dieser Gruppen aus, wodurch dieses „Über einen Kamm scheren“ entsteht. Den Gruppen werden unveränderbare Merkmale zugeschrieben, die für eine hierarchische Anordnung sorgt. Das „Wir“ wird den „Anderen“ dabei stets übergeordnet.

In Bezug auf Muslime hat sich dieses Denken mittlerweile in der Gesellschaft verankert. Wir fürchten uns vor ihnen oder empfinden Abneigung. Das gilt für Migranten genauso wie für Asylsuchende. Durch die Pauschalisierung, die in unseren Köpfen geschieht, verletzen wir nicht nur die Menschenwürde, sondern im schlimmsten Fall auch die körperliche Unversehrtheit.

Rassismus in der Sprache

Rassismus ist definiert als Markierung von Merkmalen, mit denen man sich von anderen abgrenzen kann. Während dadurch eine Gruppe ausgegrenzt wird, sichert sich die ausgrenzende Gruppe einen privilegierten Zugang. Die Gruppen werden dabei anhand willkürlicher Kriterien gebildet. Genau diese Hierarchisierung kann auch in der Sprache vorgenommen werden. Sie wertet ab, fasst Menschen aufgrund von Merkmalen in Gruppen zusammen, verletzt und beleidigt. Diskriminierende Sprache ist ein Problem, dessen man sich früher – als man noch unbedacht „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ gespielt hat, vielleicht nicht bewusst sein wollte. Doch inzwischen leuchtet eben dieses Problem knallrot, sodass man es nicht mehr übersehen kann. Es geht ständig um Political Correctness, gendergerechte Sprache, diskriminierungsfreie Sprache. 

»Worte sind, meiner nicht so bescheidenen Meinung nach, unsere wohl unerschöpflichste Quelle der Magie, Harry. Sie können Schmerz sowohl zufügen, als auch lindern.«

Albus Dumbledore

-

fiktiver Charakter aus J.K. Rowlings "Harry Potter"

Und eben diese Worte entspringen dem eigenen Verstand. Sie sind sehr wohl bedacht gewählt. Wer das N-Wort äußert, ist sich inzwischen meist bewusst darüber, dass er Andere damit diskriminiert oder beleidigt. Wer demonstrativ unter einen Beitrag, der die Verwendung des N-Worts anmahnt, eben dieses kommentiert, tut dies absolut bewusst. Wer das tut, ist beleidigend, herabwürdigend und schlichtweg rassistisch. Und für genau solche Menschen wurde ein anderes N-Wort erfunden.

Gesellschaft

Rassismus

Gruppenbildung und Vorurteile sind nicht nur Teil des Nationalsozialismus, sondern auch in der Gegenwart noch in Form von Rassismus aktuell.

Gesellschaft

Pride-Paraden unter Corona-Bedingungen

Pride-Paraden unter Corona-Bedingungen Gleichberechtigung ist eines der aktuellsten Themen unserer Gesellschaft – nicht umsonst nimmt das Thema einen wesentlichen Teil unserer Verfassung ein. Zuletzt dominierten Hashtags wie #BlackLifesMatter und #pridemonth

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *