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Strahlendes Erbe – Wohin mit unserem Atommüll?

Strahlendes Erbe - Wohin mit unserem Atommüll?

Das Reaktorunglück von Fukushima hat einmal mehr die Vulnerabilität von Kernkraftwerken aufgezeigt und die Gefahren für die Menschheit in der Umgebung der Reaktoren verdeutlicht. Noch am Tag des Reaktorunglücks in Fukushima wurde ein Moratorium vereinbart. Am 30. Mai 2011 beschloss die Bundesregierung dann den Ausstieg aus der Kernenergie und damit verbunden die Stilllegung aller aktiver Kernkraftwerke in Deutschland bis ins Jahr 2022. Doch wo man das eine Problem gelöst zu haben scheint, tut sich nun ein neues Problem auf, welches zur Zeit und wohl auch in Zukunft noch für heftigen Diskussionsbedarf sorgen wird: Die Endlagerung.

Wie macht man Strom aus Kernenergie?

Otto Hahn und Friedrich Willhelm Strassmann legten 1938 den Grundstein für die Kernkraftwerke, denn sie entdeckten die Kernspaltung und beobachteten, dass hierbei immense Mengen an Energie freigesetzt werden. Erst Lise Meitner konnte dies ein Jahr später auch theoretisch erklären.

In Atomkraftwerken wird die Energie der Kernspaltung (Wärmeenergie) verwendet, um Wasserdampf zu erzeugen. Dieser Wasserdampf treibt nun Turbinen an, durch deren Drehung elektrische Energie (Strom) gewonnen wird.

In Atomkraftwerken wird in der Regel das radioaktive Schwermetall Uran verwendet. Es befindet sich in den Brennelementen, die durch Kernspaltung Wärme freisetzen. Um die Kerne zu spalten, werden diese mit Neutronen beschossen, wodurch eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Dabei wird das Uran gespalten und es entstehen Plutonium und weitere chemische Stoffe, die nach etwa vier Jahren dafür sorgen, dass die Brennelemente abgebrannt sind und ausgetauscht werden müssen.

Im Gegenzug zu Kohlekraftwerken wird in Atomkraftwerken kaum CO2 emittiert. Kernenergie gilt deshalb erst einmal als klimafreundliche Energie. Atomstrom ist jedoch keinesfalls CO2-neutral. Die Emissionen sind der Stromproduktion jedoch größtenteils vor- oder nachgelagert. So wird etwa beim Abbau von Uran und der Herstellung der Brennelemente Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Noch gibt es keine empirischen Belege zur Klimafreundlichkeit der Endlagerung des Atommülls.

Woher kommt der Atommüll?

Kernenergie wird aus radioaktiven Materialien gewonnen, die durch den Beschuss mit Neutronen gespaltet werden. Dabei verändert sich die Zusammensetzung, sodass die Brennelemente irgendwann „abgebrannt“ sind und sich nicht mehr für die Kernreaktion in den Kraftwerken eignen. In der Vergangenheit wurden abgebrannte Brennelemente häufig in Ausland transportiert und dort aufbereitet, indem die Brennelemente mit Hilfe chemischer Reaktionen von Abfallprodukten getrennt werden. Seit 2005 ist der Transport zu Wiederaufarbeitungsanlagen in Deutschland jedoch per Gesetz verboten. Abgebrannte Brennstäbe müssen deshalb gelagert werden. Aufgrund der radioaktiven Strahlung, die weiterhin von den Brennelementen ausgeht, ist eine Lagerung der Endprodukte jedoch problematisch.

In Deutschland müssen aufgrund der aktuellen Gesetzeslage jedoch nicht nur Lösungen für abgebrannte Brennelemente gefunden werden. Mit Blick aus den Atomausstieg im Jahr 2022 müssen die radioaktiven Abfälle aller deutschen Atomkraftwerke in geeignete Endlager gebracht werden.

Wie kann Atommüll gelagert werden?

Von dem Atommüll geht eine direkte Gefahr für Mensch und Umwelt aus, weil er weiterhin radioaktiv strahlt und deshalb sicher gelagert werden muss. In Kernkraftwerken wird die Strahlung durch eine dicke Betonkammer zurückgehalten. Nach der Nutzung in Kraftwerken haben die Abfälle eine Zerfallszeit von bis zu mehreren 100.000 Jahren. Weltweit gibt es ganz unterschiedliche Ansätze für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen.

In der Vergangenheit konnten radioaktive Abfälle legal in den Meeren entsorgt werden. Das Versenken radioaktiver Feststoffe wurde 1994 jedoch verboten. Bis dahin wurden mehr als 100.000 Tonnen radioaktiver Abfälle im Meer entsorgt. Auch Deutschland hat mehrere hundert Tonnen Atommüll in den Meeren versenkt.

Auch die Lagerung unter freiem Himmel wurde in der Vergangenheit häufig praktiziert. Sowohl Frankreich als auch Deutschland haben Unmengen ihres Atommülls in das russische Sibirien transportiert. Dort gibt es eine Vielzahl an nicht geschützten Uranlagern. Die Gefahr durch Umweltkatastrophen, Witterung oder einen Flugzeugabsturz ist gigantisch. Seit 2009 droht ein Erdrutsch 180.000 Kubikmeter Uranschlamm in einem Fluss zu versenken, wodurch das Trinkwasser In Kirgistan und Usbekistan radioaktiv verseucht würde.

Neben der illegalen Entsorgung wurden in der Vergangenheit auch die Möglichkeiten diskutiert, den Atommüll in der Antarktis oder im Weltraum zu entsorgen. Um die jährlich anfallende Abfallmenge von 12.000 Tonnen zu entsorgen, müssten jedes Jahr rund 2.000 Raketen starten. Der radioaktive Abfall könnte auf Asteroiden oder anderen Planeten gelagert oder direkt in die Sonne geschossen werden.´
Neben der Gefahr eines Fehlstarts, durch den die Freisetzung des radioaktiven Mülls in der Atmosphäre möglich wäre, besteht die Gefahr, dass der im Weltall entsorgte Müll auf die Erde zurück fällt. Satelliten, die mit radioaktiven Materialien bestückt waren, fielen unkontrolliert auf die Erde zurück. Dabei wurden 124.000 Quadratkilometer der kanadischen Nordwest-Territorien mit Atommüll kontaminiert.

Die Endlagerung als deutsche Lösung

Nach Ausschluss der oben genannten Möglichkeiten, entschied sich die deutsche Bundesregierung für die geologische Endlagerung. Hierbei werden die radioaktiven Abfälle unter der Erde endgelagert, wie es bisher in dem Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben der Fall war. Der hochradioaktive Abfall soll dort unterirdisch für eine Million Jahren sicher gelagert werden können. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat nun in einem Gutachten festgestellt, dass 54% des Landes geologisch für die Endlagerung geeignet wären. Hierfür musste die Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches nachgewiesen werden.

»Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen.«

Während das bisherige Zwischenlager in Gorleben aus geologischen Gesichtspunkten nicht länger als Endlager infrage zu kommen scheint, sind auch weite Teile Bayerns als sogenannte Teilgebiete ausgewiesen worden. Das kristalline Wirtsgestein eignet sich aus geologischer Sicht hervorragend für die sichere Endlagerung unter Tage. Die bayerische Landesregierung hatte zuvor erklärt, dass es in Bayern keine geeigneten Gebiete gäbe. Auch nach der Veröffentlichung des Gutachtens hält etwa Markus Söder an dieser Aussage fest. Durch das Gutachten sei eine „enorme Verunsicherung im Land“ entstanden. „Wir arbeiten nicht politisch, sondern rein wissenschaftlich“, betonte hingegen Studt. Bisher seien rein geologische Faktoren berücksichtigt worden sein. In den kommenden Monaten und Jahren sollen nun Faktoren wie die Siedlungsdichte ergänzt werden. Erst 2031 möchte sich die Politik auf einen Ort für das Endlager festlegen. Eine unterirdische Einlagerung des radioaktiven Mülls soll erst 2050 in dem neuen Endlager stattfinden.

Fazit: Aus den Augen, aus dem Sinn!

Atomenergie ist somit auf eine ganz besondere Art nachhaltig. Während nur rund 30 Jahre – also etwa eine Generation – von dem Atomstrom profitiert haben, müssen nun hunderte von Generation mit den radioaktiven Abfällen leben. Per Gesetz muss das Endlager für eine Million Jahre konzipiert sein. Dabei ist – mangels Erfahrungen – noch völlig unklar, wie sich der Atommüll in dem unterirdischen Endlager langfristig entwickeln wird. Wir überlassen ein radioaktives Erbe, dass wir erst in 30 Jahren irgendwo unter der Erde verstecken werden. Entschieden wird dies letztendlich von Politikern – zwar auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse – jedoch nicht frei von politischen Interessen.

CSU-Politiker Markus Söder, der derzeit vor allem die Interessen Bayerns vertritt, gleichzeitig aber als Kanzlerkandidat gehandelt wird, könnte diese Diskussion auf die Spitze treiben. Fest steht: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen – auch wenn die Menschen in Gorleben mit Blick auf die Zukunft nun sicher aufatmen können.

Quellen: tagesschau.de, welt.de, planet-wissen.de, de.statista.com, umweltbundesamt.de, spiegel.de, bge.de, bmu.de

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