Der Auror Ron Weasley – Finale

Der Auror Ron Weasley - Finale

Ron Weasley Chibi By Lizievamp On Deviantart - Ron Weasley

Ron saß kerzengerade auf seinem Bett im St.-Mungo-Hospital. Sein Gesicht hatte plötzlich wieder Farbe bekommen und mit entsetzter Stimme rief er: „Er hat was? Ich bringe ihn um!“ Er wollte aufstehen, doch Hermine hielt ihn an der Schulter fest. „Du sollst dich noch schonen“, sagte sie und schaute ihn vorwurfsvoll an, „Harry kümmert sich darum.“ Sie blickte erwartend zu Harry. „Hermine, sie ist seine Schwester. Ich kann verstehen, dass er wütend ist.“ – „Das kann ich auch, aber er ist noch geschwächt.“ – „Mir geht es gut. Wir sollten keine Zeit verlieren.“ Sie grummelte und stimmte dann – höchst widerwillig – zu. „Wenn die Heiler es erlauben, kannst du gehen. Aber ich komme mit!“ – „Das kommt überhaupt nicht infrage! Ich brauche dich im Ministerium. Wir müssen die anderen Todesser ausfindig machen und in Gewahrsam nehmen. Ich möchte, dass du die Operation leitest, während Ron, einige Auroren und ich uns auf die Suche nach Draco machen.“ – „Draco? Ich denke, wir suchen seinen Vater?“

Harry erzählte von dem unbrechbaren Schwur, den Narzissa geleistet hatte, um ihren Mann zu schützen und Ron verstand sofort, dass Draco Malfoy ihre einzige verbleibende Chance war, um seine Schwester und Lucius Malfoy möglichst schnell zu finden. „Wir sollten keine Zeit verlieren!“

Gegen die Zeit

Harry und der immer noch geschwächte Ron machten sich auf den Weg. Da sie nicht so recht wussten, wo sie suchen sollten, starteten sie ihre Suche im Tropfenden Kessel, jenem Etablissement, das den Übergang von der Muggelwelt in die Magische Welt darstellte. Die übrigen Auroren hatten Draco Malfoy häufiger bei ihren Routine-Besuchen hier gesehen.

„Hallo Hannah“, grüßten Ron und Harry die Wirtin, als sie das Lokal betraten. Hannah Abbott war nicht nur die Wirtin der Gaststätte, sondern auch die Frau von ihrem Freund Neville. „Hallo, die Herren. Privat oder beruflich?“, Hannah blickte nur kurz auf und wischte dann den Tresen weiter. „Beruflich. Wir sind auf der Suche nach Draco Malfoy. Hast du ihn gesehen?“ Sie warf den Lappen in die Spüle, stemmte die Arme in die Hüfte und sah die beiden Auroren neugierig an: „Hat er etwas angestellt?“ – „Er nicht. Sein Vater. Er hat meine Schwester entführt und Draco…“, Harry rammte seinen Ellenbogen in Rons Rippen, welcher sofort mit einem schmerzhaften Quieken verstummte. „Hast du ihn gesehen?“, fragte Harry mit Nachdruck? „Verstehe, verstehe. Er war bis vor wenigen Augenblicken hier. Wollte wohl noch einige Alchemiezutaten kaufen. Ich würde ihn in der Winkelgasse suchen.“ – „Danke, Hannah. Liebe Grüße an Neville.“ Sie nickte und die beiden Auroren verließen den Tropfenden Kessel durch die Hintertür, um die Winkelgasse zu betreten. Harry zückte seinen Zauberstab. Drei nach oben, zwei zur Seite. Er tippte den Backstein mit seinem Zauberstab an und sofort begann sich die Mauer vor ihnen zu öffnen.

„Wir müssen uns beeilen Harry. Jede Sekunde, die der Geisteskranke mit meiner Schwester hat, könnte er ihr etwas antun.“ Harry brummte zustimmend. Sie trafen Draco Malfoy, als er gerade ein Geschäft verließ. „Malfoy!“, rief Ron wütend. Draco drehte sich überrascht um. „Potter, Weasley. Was kann ich für euch tun?“ – „Wo ist dein Vater, Draco?“ Er zuckte mit den Schultern und wandte sich ab. Ron packte ihn am Arm. „Wo ist dein Vater?“, wiederholte er aufgebracht. „Lass mich los, Weasley. Du willst doch sicher nicht, dass ich dich melde?“ – „Er hat Ginny“, sagte Harry leise und sofort verschwand das Lächeln aus Dracos Gesicht. „Er hat… was?“ – „Ginny. Er hat sie entführt. Er ist für die Muggelmorde verantwortlich. Er formiert die Todesser neu. Wir müssen ihn finden!“ Draco ließ seine Einkaufstasche fallen. „Du veräppelst mich, Potter.“ – „Uns ist nicht nach Späßen zumute, Malfoy. Wo ist dein Vater?“ – „Ich weiß nicht, wo er ist. Wirklich nicht.“ – „Sei mir nicht böse, Malfoy“, entgegnete Ron, „aber ich glaube dir kein Wort!“ – „Das musst du nicht, Weasley. Ich habe keine Ahnung. Ich werde aber mal bei Bekannten nachfragen. Vielleicht haben die etwas gehört. Ich melde mich bei euch!“ Ron brummte, doch Harry antwortete zügig: „Ist gut.“ Verdutzt schaute Ron seinen Freund und Arbeitskollegen an, doch dieser verabschiedete sich in aller Ruhe von Malfoy und schlenderte dann ein paar Meter weiter.

„Was zum…“, Ron war sprachlos und hastete Harry hinterher, „Du kannst ihn doch nicht einfach so gehen lassen. Ich glaube ihm nicht!“ – „Das tue ich auch nicht, Ron. Deswegen werden wir ihn beobachten lassen. Ich denke, …“ – „Potter?“, rief Draco ihm nach und kam zu ihm geeilt, „Kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?“ Harry blickte auffordernd zu Ron, der ein paar Meter weiterging und dort auf Harry wartete. „Potter“, Draco begann zu flüstern, „versprich mir, dass ihr ihn nicht töten werdet.“ – „Dein Vater scheint skrupellos zu sein. Wenn es hart auf hart kommt, bleibt uns…“ – „Versprich es, Potter. Ich habe noch einen gut bei dir… Die Schlacht von Hogwarts… Du erinnerst dich?“ – „Ich habe mich im Prozess für deine Familie eingesetzt, Draco. Ich habe alles getan, damit deine Eltern nicht nach Azkaban mussten. Ich kann…“ – „Bitte, Potter. Wenn es sich vermeiden lässt, …“ Harry nickte stumm und ging dann, ohne ein weiteres Wort zu sagen, zu Ron. „Ich glaube wirklich, dass er nicht weiß, wo sein Vater ist. Er ist in Sorge. Das kann man nicht spielen. Nicht so. Lass uns gehen.“

Zurück im Büro erzählten die beiden Auroren Hermine von ihrem Gespräch mit Draco. Ron hatte trotz Harrys Intuition die ständige Beobachtung durch zwei Auroren angeordnet, doch wie es scheint, war Draco nach dem Einkaufen direkt in sein Haus zurückgekehrt. „Er war tatsächlich allein zu Hause. Der Aufspürzauber hat keine weiteren Personen im Haus angezeigt.“ – „Vielleicht hat er sein Haus magisch gegen diese Zauber abgeschirmt“, mutmaßte Ron, doch Hermine entgegnete: „Draco Malfoy ist Alchemist, kein Zauber-Ass. Einen derartigen Abschirmzauber bekommt er gar nicht hin.“ – „Und sein Vater?“ – „Ich glaube nicht, dass Lucius Malfoy sich im Haus seines Sohnes aufhält. Ihm muss doch klar sein, dass wir dort zuerst suchen würden.“ – „Also haben wir nichts. Und meine Schwester… deine Frau… ist noch immer in den Händen eines Massenmörders.“

Das Verschwindekabinett

Es klopfte an der Tür. Harry ging hin, öffnete und schaute in das Gesicht eines kleineren, dicken Aurors. „Mr. Potter, der Herr hier möchte zu Ihnen. Er sagt, sie würden ihn kennen, er wollte mir seinen Namen jedoch nicht nennen.“ Harry blickte auf, schaute über den Auror hinweg und sah Draco Malfoy nervös im Gang wartend. „Schicken Sie ihn durch.“ – „Sofort, Mr. Potter.“

Harry ging in das Büro zurück und kündigte Draco bei Ron und Hermine an, als dieser auch schon die Tür hinter sich schloss. „Potter, Weasley“, er nickte Hermine zu. „Draco, weißt du, wo dein Vater ist?“ – „Sicher weiß ich es nicht. Aber mir ist etwas eingefallen. Erinnert ihr euch noch an das Verschwindekabinett, mit dem ich… Naja, ihr wisst schon. Als Professor Snape Schulleiter von Hogwarts war, hat mein Vater das Verschwindekabinett aus Hogwarts abgeholt. Ich weiß nicht, wo er es hingebracht hat, aber er hat es. Und vielleicht haben wir damit die Gelegenheit, ihn und Ginny Weasley zu finden.“ – „Das ist ein guter Hinweis. Wir machen uns sofort auf den Weg. Hermine, bring Draco doch bitte zu Mrs. Malfoy und lass sie ein wenig miteinander sprechen“, bat Harry und verließ mit Ron den Raum. Harry wollte apparieren, doch Ron stoppte ihn. „Ich bin noch nicht fit genug zum Apparieren. Lass uns ganz altmodisch reisen.“ Er zeigte auf den Kamin, „Wie das funktioniert, weißt du ja am allerbesten.“ Ron lachte. Harry nahm eine Hand voll Flohpulver, trat in den Kamin und verschwand in den aufleuchtenden Flammen. Ron folgte ihm.

„Ach du liebes Bisschen“, schrie Hannah Abbott erschrocken auf und ließ vor Schreck das Glas fallen, das sie gerade abtrocknete, als Harry und Ron nacheinander im Kamin des Tropfenden Kessels auftauchten. „Entschuldige, Hannah. Wir haben es eilig“, rief Harry im Vorbeigehen und verließ die Kneipe durch die Hintertür. Ron eilte hinterher. Sie durchquerten erneut den Durchgang zur Winkelgasse und bogen dann in die Nokturngasse ab. Schnellen Schrittes gingen sie zu Borgin & Burke’s, wo Harry das Gegenstück des Verschwindekabinetts vermutete. Als sie den Laden erreichten, drückte Harry gegen die Tür. Sie war verschlossen. Blitzschnell zog er seinen Zauberstab, flüsterte Alohomora und öffnete die Tür. Das Geschäft war menschenleer und dunkel.

„Lumos“, sprach Ron und erhellte den dunklen Raum. Harry und Ron blickten sich erhobenen Zauberstabs um. Möbel und Gegenstände waren mit weißen Tüchern abgedeckt und das Licht, das aus Rons Zauberstab strahlte, warf gespenstige Schatten an die Wände. Mit kurzen, ruckartigen Bewegungen mit seinem Zauberstab begann Harry, die Tücher abzudecken, um das Verschwindekabinett zu finden. Doch je länger die beiden Auroren suchten, umso deutlicher wurde, dass sie nicht fündig werden würden. „Meinst du, Malfoy hat auch dieses Verschwindekabinett mitgenommen?“, wollte Ron wissen. „Ich weiß es nicht. Schon möglich.“

Eine quietschende Diele ließ die beiden aufschrecken. Sie fuhren umher und richteten ihre Zauberstäbe in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. „Was…“, geblendet unterbrach er seinen Satz und hielt schützend den Arm vor das Gesicht, „Was machen Sie hier?“ Augenblicklich ließen Harry und Ron ihre Zauberstäbe sinken. Vor ihnen stand Gilderoy Lockhart.

Gerettet und verloren

„Mr. Lockhart, was tun Sie hier?“ – „Äh… kennen wir uns?“ Gilderoy Lockhart schaute verwirrt hinter seinem Arm hervor, „Sicher haben Sie meine Bücher gelesen.“ Ron schaute Harry verwundert an und verkniff sich ein Lachen. „Müssten Sie nicht im St. Mungo sein, Sir?“ – „Nun, ich war auf der Suche nach einem Schneckenschutz. Ich konnte mich nicht mehr genau daran erinnern, wo ich diesen damals gekauft habe, doch in meinem Buch ‚Gilderoy Lockharts Ratgeber für Schädlinge in Haus und Hof'“, er zog besagtes Buch aus seinem Umhang, „habe ich geschrieben, dass es den besten Schneckenschutz in der Nokturngasse gibt. Und zufälligerweise habe ich herausgefunden, dass der Kamin im Büro der Klinikleitung mit diesem Kamin hier in der Nokturngasse verbunden ist. Ich konnte mich also unbemerkt davonschleichen. Sie werden doch nicht… Bitte sagen Sie nichts. Ich habe einen Ruf zu verlieren. Ich bitte Sie… Können Sie diesem Lächeln eine Bitte abschlagen?“ Er schenkte den beiden ein stahlendes Lächeln, doch die beiden waren bereits am Tuscheln und hatten ihm überhaupt nicht mehr zugehört. 

„Mr. Lockhart, wenn Sie uns entschuldigen würden.“ – „Ja, äh… tschüss.“ Dann drehte er sich um und ging pfeifend davon. „Er ist noch komischer als damals, findest du nicht auch?“ – „Absolut schräg“, entgegnete Ron. „Wir müssen ins St. Mungo. Mich würde brennend interessieren, warum die Klinikleitung eine direkte Verbindung in die Nokturngasse aufrechterhält.“ Im selben Moment schien Harry die Antwort bereits zu erahnen. „Wir müssen uns beeilen. Kannst du apparieren?“ Ron nickte entschlossen, dann verschwanden die beiden.

Vor dem St. Mungo Krankenhaus tauchten die beiden wieder auf. Sie gingen hinein und erfragten den Weg zur Klinikleitung. Als sie das Büro erreichten, klopfte Harry. Sofort wurden die beiden hereingebeten. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte der Klinikleiter leise und schrieb noch ein paar Worte mit einer Feder. Als er von dem Papier aufblickte und Harry und Ron sah, sprang er von seinem Stuhl auf. „Entschuldigen Sie. Ich war nur so überrascht, Auroren in meinem Büro zu sehen. Wie kann ich Ihnen helfen?“ – „Erzählen Sie uns doch bitte, warum sie eine direkte Verbindung von ihrem Büro in die Nokturngasse haben.“ – „Das ist doch nicht verboten, oder irre ich mich?“ Er rümpfte die Nase. „Ist es nicht, Sir. Wir fragen uns nur, warum ihr Büro eine aktive Verbindung zu Borgin & Burke’s hat. Wir ermitteln in einem Fall, in dem das Geschäft von Relevanz war und aktuell gehen wir jeder Spur nach…“ – „Verstehe“, murmelte der Klinikleiter nervös. Ron stieß Harry an und warf einen eindeutigen Blick zum Klinikleiter. Harry nickte zustimmend. Im selben Moment zog der Klinikleiter seinen Zauberstab. „Stupor!“

Der Schockzauber zischte aus seinem Zauberstab und traf Ron, eine Sekunde später hatte Harry den Klinikleiter entwaffnet und kampfunfähig gemacht. Er hastete zu Ron, der keuchend am Boden lag. „Warum immer ich?“, hustete er. „Kannst du aufstehen?“ – „Gleich. Es ist halb so schlimm.“ Er griff nach Harrys Hand und stand wieder auf, krümmte sich jedoch sogleich vor Schmerz. „Ich informiere die anderen, sie sollen den Klinikleiter hier abholen“, entgegnete Harry und schickte augenblicklich einen Patronus los, um die Auroren zu informieren. „Was hatte er zu verbergen?“, wollte Harry wissen. „Finden wir es heraus“, antwortete Ron und stemmte sich auf. Er zog seinen Zauberstab und zielte in den Raum: „Finite.“ Der Aktenschrank, der in der Ecke des Büros stand, begann sich zu wandeln. Er wurde dunkler, wuchs und wurde schließlich zu jenem Schrank, den Harry und Ron als Verschwindekabinett kannten. „Jetzt haben wir ihn!“

Hatte man erst ein Teil dieser magischen Verbindung gefunden, war es kein Hexenwerk, auch das zweite Verschwindekabinett zu finden. Harry und Ron fanden es auf einer kleinen Insel vor der Küste Schottlands. Sie entschlossen sich dazu, das Haus leise zu betreten. Den Zauberstab fest in der Hand öffneten sie die Tür und betraten das Haus. Im Kamin knisterte ein Feuer, auf dem Herd brodelte eine Kanne Tee, aber es war niemand zu sehen. Ron deutete auf eine weitere Tür, als plötzlich Schreie zu hören waren. „Ginny!“, gab Ron fassungslos von sich und eilte zu der Tür. Es schien, als würde er die Tür einrennen, so schnell stand er im nächsten Raum. Sofort folgte Harry ihm. Dort stand er, Lucius Malfoy. Vor ihm stand Ginny. Seinen Zauberstab drückte er mit der Spitze an ihre Schläfe. „Potter. Schön, dass du da bist. Du hast noch einen Freund mitgebracht? Großartig. So wird es nicht so schnell langweilig.“ – „Lass sie los, Malfoy“, befahl Harry, doch Lucius Malfoy lachte bloß. „Du kannst mir nichts befehlen, Potter.“ Er lachte wieder. 

Diesen Moment der Unachtsamkeit nutzte Ginny. Sie trat ihm mit der Hacke auf die Zehen und rammte ihm ihren Ellenbogen in den Bauch. Zwar ließ Lucius Malfoy sie so los, den Entwaffnungszaubern, die Harry und Ron zeitgleich wirkten, wich er jedoch aus. Sofort feuerte Lucius verschiedene Zauber ab, die rot, blau und weiß aufblitzten. Einer der Zauber traf Ginny, die mitten im Feuergefecht stand und schleuderte sie zu Boden. Geduckt lief Ron zu seiner Schwester und wirkte einen Schutzzauber, sodass er sie aus der Schussbahn ziehen konnte. Harry wirkte einen Zauber nach dem anderen, doch Malfoy wehrte diese ab oder wich durch kurzes disapparieren aus. Immer wieder knallte es laut, wenn zwei Zauber aufeinandertrafen. Die Wände der Hütte waren inzwischen voller Ruß und durchlöchert. „Malfoy!“, rief Harry, „Draco und Narzissa hätten das sicher nicht gewollt!“ – „Seit wann interessiert dich, was andere wollen, Potter?“ Er feuerte einige Sprengflüche, die das Verbleiben in der Deckung unmöglich machten. Ron hechtete mit Ginny hinter einem Tisch hervor, der im nächsten Moment zersplitterte. Sofort feuerte Harry wieder Entwaffnungszauber, um Ron Deckung zu geben. Dieser tastete nach seinem Zauberstab, den er beim Hechten aus der Hand fallen lassen hat. „Ron!“, rief Harry, der den Zauberstab aufgehoben hatte. Ron streckte seinen Arm in die Luft, um den Zauberstab zu fangen. Während Harry den Zauberstab zu Ron hinüberwarf, erleuchtete ein grüner Lichtblitz den Raum. Rons Hand, die gerade den Zauberstab gefangen hatte, fiel augenblicklich zu Boden.

Eine außergewöhnliche Stille machte sich im Raum breit. Lucius Malfoy pustete sich mit einem Lächeln eine Haarsträhne aus dem Gesicht, Harry ließ seinen Zauberstab sinken. Ginny krabbelte auf allen vieren zu ihrem Bruder und hebte seinen Kopf an. Harry fiel auf die Knie. Langsam und mit einem triumphierenden Blick erhob Malfoy abermals seinen Zauberstab. Er richtete ihn auf Harry. „Petrificus Totalus!“, die Tür flog auf, ein weißer Lichtblitz schoss in den Raum und traf Lucius Malfoy, der sofort erstarrte. Draco Malfoy kam herein. Sein Blick schweifte durch den Raum. Dann ließ er den Zauberstab sinken. Er blickte zu Harry, der nun ebenfalls neben Ron kniete. Langsam ging er auf die drei zu und legte seine Hand auf Harrys Schulter. Einen Moment lang überlegte er, etwas zu sagen. Doch er brachte kein Wort über die Lippen.

 

Die Glocken der Kirche am Friedhof von Godric’s Hollow läuteten. Der Himmel war tiefgrau und es regnete. Schwarze Schirme schützten diejenigen, die sich auf dem Friedhof versammelt hatten. Draco Malfoy tippte Harry kurz an. „Er wird in diesem Moment von den Dementoren geküsst“, flüsterte er. Harry wandte den Blick ohne Reaktion ab. Ihm war egal, was mit Lucius Malfoy geschah. Diesen Augenblick wollte er nur seinem besten Freund widmen. Gemeinsam mit Ginny und Hermine trat er an das Grab heran. „Ruhe in Frieden, alter Freund“, wisperte Harry. Ginny schluchzte und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. „Es ist okay, zu weinen“, sagte George, der in diesem Moment ans Grab herantrat, „Harry weint auch.“ Sie legte ihren Arm fest um Harry. „Du wirst fehlen“, schluchzte Hermine. Sie zog ihre Zauberstab und ließ ein paar Blumen auf dem Grab erscheinen. „Du wirst so sehr fehlen.“